Die vier Ausreden der Hartherzigkeit: Das Meme „Western Media When Tragedy Hits“

Die vier Ausreden der Hartherzigkeit: Das Meme „Western Media When Tragedy Hits“

Die vier Ausreden der Hartherzigkeit

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Weltkarte mit dem Titel „Western Media When Tragedy Hits“, eingefärbt in vier Kategorien: grün für Nordamerika, Europa und Australien mit „24-Stunden-Berichterstattung, Promi-Songs, Flaggen-Filter, beleuchtete Denkmäler“, gelb für weite Teile Asiens und Südamerikas mit „Niemand will den ganzen Tag traurig sein“, braun für den Nahen Osten mit „Eine hoffnungslose Lage, betet einfach“ und schwarz für Afrika mit „Interessiert wirklich niemanden“

DESCRIPTION: Eine Weltkarte sortiert das geäußerte Mitgefühl in vier Farben. Eine psychoanalytische Kulturanalyse darüber, warum das Bild recht hat und trotzdem Ideologie ist.


Die Aufmerksamkeitskarte

Ein Meme stellt die Welt in vier Farben dar, je nachdem, wie sehr uns Nachrichten von dort berühren. Es hat recht. Und gerade, weil es recht hat, lohnt die Frage, was es seinen Lesern eigentlich anbietet. Eine Kulturanalyse über vier Sätze, die niemand mehr aussprechen muss, um sie zu verstehen.

Ein Bild

Unter dem Titel „Western Media When Tragedy Hits“ zirkuliert seit Ende 2025 eine eingefärbte Weltkarte. Grün: Nordamerika, Westeuropa, Australien und Israel: „24 hr coverage, celebrity songs, flag filters, lit up monuments.“ Gelb: der größte Teil Asiens und Lateinamerikas. „Nobody wants to be sad all day.“ Braun: der Nahe Osten und Teile Nordafrikas: „A hopeless situation, just pray.“ Schwarz: Subsahara-Afrika: „Literally do not care.“

Die Karte unterscheidet keine sozialen Faktoren, keine Milieus. Sie plakatiert theoretische Öffentlichkeiten. Sie borgt sich die Autorität einer Projektion, die man aus Atlanten kennt, und legt darüber vier Mustersätze, die aus einem Alltagsgespräch stammen könnten. Diese Verbindung erzeugt ihre Wirkung: Etwas, das man selbst schon gesagt hat, erscheint plötzlich als globales Muster.

Das Bild zirkuliert ohne Urheber, ohne Datum, ohne Quelle. Es gehört damit zu jener Klasse von Gegenständen, an denen sich kulturanalytisch besonders gut arbeiten lässt, weil niemand für sie bürgt und trotzdem alle sie verstehen.

Die Karte hat recht

Bevor die Deutung beginnt, muss die Sachfrage geklärt sein. Der Global Peace Index 2025 hat Mediendaten mit Konfliktdaten abgeglichen und die Zahl der Artikel je Todesopfer eines Konflikts nach Ländergruppen sortiert. Für 2023 liegt der Median bei 1.663 Artikeln je Todesopfer in Ländern mit hohem Einkommen und bei 17,4 in Ländern mit niedrigem Einkommen. Äthiopien und Burkina Faso verzeichneten in diesem Jahr jeweils über 20.000 getötete Zivilisten und kamen kaum vor. Ladislaus Ludescher hat über 5.000 Ausgaben der ARD-Tagesschau ausgewertet: Im ersten Halbjahr 2022 entfielen rund 6 Prozent der Sendezeit auf den Globalen Süden, in dem rund 85 Prozent der Menschheit leben. Im selben Zeitraum bekamen Sportnachrichten mehr Sendezeit als sämtliche Länder des Globalen Südens zusammen.

Die Karte übertreibt also nicht. Dieser Umstand ist für alles Weitere entscheidend, denn er verhindert die bequeme Erledigung. Ideologie besteht bei Alfred Lorenzer weder aus falschem Wissen noch aus absichtlicher Lüge. Ein Bild kann zutreffen und dennoch eine Leistung erbringen, die mit seinem Wahrheitsgehalt nichts zu tun hat.

Die Legende besteht aus Formeln

Alle vier Sätze sind in sich geschlossen. Man muss sie nicht bilden, man erkennt sie wieder. „Wer will sich schon den ganzen Tag traurig fühlen?“ ist keine Aussage, die jemand über sich selbst trifft; es ist eine Wendung, die im Umlauf ist und die jeder schon einmal gehört hat. Dasselbe gilt für „just pray“ und für das Achselzucken, das in „literally do not care“ steckt.

Lorenzer nennt solche Gebilde Klischees. Symbole zerfallen: Ihre Hüllen wirken weiter, ohne dass deren lebensgeschichtlicher und affektiver Sinn verfügbar wäre. Daraus entsteht eine Scheinsprache, die sich äußerlich wie gewöhnliche Sprache kleidet und ihre subjektive Bedeutung nicht offenlegt. Die vier Legendensätze sind genau das. Sie klingen wie Beschreibungen von Gefühlszuständen und benennen kein individuelles Gefühl.

Es geht nicht um versteckten Inhalt hinter dem Bild. Es geht um Brüche zwischen dem, was die Legende sagt, und dem, was das Bild darstellt. Bei dieser Karte liegt der erste Bruch darin, dass ihre Sätze Selbstauskünfte zu sein scheinen und in Wahrheit keine sind.

Grün: der Nachruf als Nationsbildung

Im grünen Feld ist die Anteilnahme sichtbar bis zur hysterischen Sentimentalität. Dauerberichterstattung, Prominenten-Statements, Profilbildfilter, Flaggen, beleuchtete Denkmäler.

Judith Butler hat für diese Zeichen eine unbequeme Beschreibung. Sie fragt, wie ein Nachruf zum Instrument werde, das Leidfähigkeit öffentlich regelt, und nennt ihn deshalb einen „Akt der Nationenbildung“. Das beleuchtete Denkmal ist ein Nachruf in genau diesem Sinn. Es macht ein Leben öffentlich beklagbar und stellt zugleich die Gemeinschaft her, die klagt.

Solidarität und Selbstvergewisserung fallen hier zusammen. Öffentliche Trauerrituale schaffen Aufmerksamkeit, durchbrechen politische Isolation, erzeugen Handlungsdruck. Sie leisten aber immer beides gleichzeitig, und die Karte lebt davon, dass ihre Betrachter beide akzeptieren.

Gelb: das Recht auf die eigene Stimmung

„Wer will schon den ganzen Tag traurig sein?“ Hier wird das Leid der anderen unverhohlen als Zumutung bezeichnet, und eben deshalb wird die Aufmerksamkeit dafür begrenzt.

Psychisch arbeitet dieses Feld über die Isolierung des Affekts. Das Ereignis wird registriert, seine Zumutung an den Westen, wird dosiert. Der Satz beansprucht ein Verfügungsrecht über die eigene Stimmung, jenseits einer Aussage über menschliche Belastbarkeit. Als Legende einer Weltkarte zeigt er die Stelle, an der eine reale Grenze in eine Erlaubnis übergeht: Man darf zur Kenntnis nehmen, dass etwas geschieht, solange dieses Geschehen weder Zeit beansprucht, noch Stimmung oder Alltag trübt.

Braun: Aussichtslosigkeit als Rechtfertigung

„Eine ausweglose Situation – da hilft nur Beten.“ Dieses Feld tarnt sich als Demut. Die Lage wird für unlösbar erklärt und mit ihr die eigene Zuständigkeit. Wer betet, tut ja schließlich auch etwas.

Luc Boltanski hat beschrieben, woran diese Stufe rührt. Beim barmherzigen Samariter fallen Sehen und Handeln noch zusammen, und genau das macht Verpflichtung möglich: Gerade diese Verbindung aus der Möglichkeit des Erkennens und der Möglichkeit des Handelns definiert eine Situation …, die erlaubt, sich einzubringen und sich zu engagieren. Vor dem Nachrichteninhalt fällt beides auseinander. Man sieht hin und muss nichts tun.

Susan Sontag zieht daraus die Konsequenz, die für dieses Feld gilt. In „Regarding the Pain of Others“: Die Frustration darüber, dass man gegen das, was die Bilder zeigen, nichts unternehmen kann, mündet eher in den Vorwurf, die Betrachtung solcher Bilder sei ungehörig, als in einen Handlungsimpuls. Aus Ohnmacht wird so die Rechtfertigung, nicht hinsehen zu müssen.

Das Urteil „hoffnungslos“ hat dabei eine doppelte Wirkung. Es spricht den Menschen in diesen Regionen ihre Handlungsfähigkeit ab, und macht sie zu einer anonymen Masse, der ohnehin nicht zu helfen ist.

Schwarz: Wenn die Ausrede wegfällt

„Das ist mir buchstäblich egal.“ Kein eingefordertes Recht auf die eigene Stimmung, keine eigene Belastung, keine Aussichtslosigkeit, nichts: einfach Desinteresse.

Damit gipfelt die Reihe in der erklärungslosen Verweigerung von Mitgefühl. Je weiter das Leid entfernt ist, desto weniger wird die Kaltherzigkeit gerechtfertigt, bis zur nackten Gleichgültigkeit. Rechtfertigungen sind ein Aufwand, den man nur mit nahem Leid betreibt.

(Es gibt eine deutschsprachige Variante, deren letztes Feld anders lautet: „Bei uns geht’s gerade ums nackte Überleben.“ Dieselbe Endstufe, ein anderes Selbstbild. Die englischsprachige Öffentlichkeit erlaubt sich unverhohlene Gleichgültigkeit; die deutschsprachige erfindet dafür einen scheinheiligen Grund.)

Ideologie

Nun die entscheidende Frage der Analyse: Was leistet dieses Bild für den, der es teilt?

Ideologie wird psychisch wirksam, weil sie an desymbolisierte, sozial ausgeschlossene Bedürfnis- und Konfliktlagen anschließt. Was im Subjekt nicht als eigener Wunsch, eigene Angst oder Ambivalenz symbolisiert und ausgehandelt werden kann, findet eine scheinbare Lösung in kollektiv verfügbaren Deutungsmustern. Die ideologische Formel liefert eine sozial akzeptierte Sprache für etwas, das subjektiv nicht gesagt werden darf. Sie organisiert Affekt, ohne ihn zu benennen.

An welche Konfliktlage schließt diese Karte an? Der Betrachter lebt im grünen Feld. Er weiß von Kriegen, deren Verlauf er nicht beeinflusst, und er profitiert von einer Ordnung, deren Kosten anderswo anfallen. Die eigene Abhängigkeit von dieser Ordnung, die eigene Ohnmacht und die Beschämung darüber lassen sich schwer als Betroffenheit zugeben. Sie passen nicht zum Bild, das der Betrachter von sich hat.

Die Karte bietet dafür eine fertige Sprache an. Sie münzt eine unbestreitbare Selbstbeteiligung in eine Anklage gegen einen Dritten um: gegen die westlichen Medien, gegen ein anonymes Publikum, gegen „uns“ in einer Fassung, in der man selbst nicht vorkommt. Der Affekt wird gebündelt und erhält eine Richtung. Benannt wird er nicht.

Genau darin liegt die ideologische Leistung. Die Zahlen geben der Karte recht. Die Leistung besteht darin, dass die Formel eine individuelle Bedürfnislage ruhigstellt, die in Worten kaum vertretbar wäre.

Das Teilen

Im Umgang mit dem Meme gibt es einen peinlichen Moment: wenn es geteilt wird.

Wer das Bild teilt, tut etwas, das im grünen Feld beschrieben steht. Er setzt ein sichtbares Zeichen der Anteilnahme, das allerdings weder Zeit kostet, noch Handlung nach sich zieht, den Absender zugleich aber auf die richtige Seite stellt. Das Teilen vollzieht genau das, was es dem angesprochenen Publikum des Bildes vorwirft: ein Gefühl, das mit dem Weiterscrollen oder Teilen erledigt ist.

Diese Verdopplung ist die kulturanalytisch aufschlussreichste Eigenschaft des Memes, weil sich darin zeigt, wie eine Kritik selbst zur Entlastung wird. Der Bruch zwischen dem, was das Bild sagt, und dem, was es beim Lesen bewirkt, ist die Stelle, an der Sprache eine Erfahrung zugleich transportiert und abwehrt.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, an dem das ganze Bild kippt. Die grüne Kategorie umfasst neben Nordamerika, Westeuropa und Australien ausdrücklich auch Israel. Damit kommentiert die Karte die Verteilung der Aufmerksamkeit von einem Standpunkt aus, der in den Auseinandersetzungen liegt, über die sie spricht. Wer sie teilt, teilt diese Setzung mit, ohne sie ausgesprochen zu haben. Auch das gehört zu den Leistungen des Klischees: Es transportiert Positionen, die in seinem wörtlichen Inhalt nicht erkennbar sind.

Was die Karte nicht erklärt

Eine Deutung, die alles erklärt, erklärt nichts. Abwehr setzt voraus, dass etwas da war, von dem man sich abwenden konnte. Äthiopien verhängte am 4. November 2020 einen Kommunikationsblackout über Tigray, im Sudan brachen ab Februar 2024 die Mobilfunknetze zusammen, und die Belagerung von El Fasher nennt das Committee to Protect Journalists eine Informationsblockade. Wo keine Redaktion arbeitet und keine Todesfälle registriert werden, entsteht die Lücke noch vor jeder Publikumsreaktion in dem Nachrichteninhalt selbst.

Das grenzt die Deutung ein und macht sie brauchbar. Warum berichtet wird, erklären Zugang, Budget und redaktionelle Routine. Die Abwehr erklärt, was geschieht, wenn berichtet wird und das Wissen dennoch folgenlos bleibt.

Echte Anteilnahme

Bleibt die Frage, wie eine Anteilnahme aussähe, die diesen Namen verdiente. Sie wäre weder eine ununterbrochene private Erschütterung noch weniger eine selbstgerechte moralische Dauerentrüstung. Niemand kann acht Milliarden Menschen ununterbrochen betrauern, und die verbreitete Rede von der Mitgefühlsmüdigkeit ist ohnehin schlechter belegt, als sie klingt. Daryl Cameron und Keith Payne zeigten 2011, dass das Mitgefühl gegenüber vielen Opfern nur dann einbricht, wenn die Versuchspersonen erwarten, gleich um Hilfe gebeten zu werden. Das Gefühl bleibt verfügbar, wird aber heruntergeregelt, sobald eine Forderung droht.

Angemessene Anteilnahme zeigt sich damit in einem belastbaren Verhältnis von Wissen, Aufmerksamkeit und Handlung: sich informieren, Betroffene nicht auf Opferbilder reduzieren, konkrete Hilfsstrukturen unterstützen, politische Verantwortlichkeiten benennen und dort, wo es möglich ist, institutionelle Folgen einfordern. Daran lässt sich prüfen, was andernfalls Lippenbekenntnis bleibt.

Abwehr beginnt nicht bei Abgrenzung. Sie beginnt dort, wo die eigene Belastung oder die behauptete Aussichtslosigkeit pauschal zur Formel wird, die jeden Anspruch anderer delegitimiert. Gleichgültigkeit tritt selten als solche auf. Sie gibt sich als Selbstschutz, als Aussichtslosigkeit, als Prioritätensetzung oder als existenzielle Not, und erst ganz am Ende, wo niemand mehr hinsieht, verzichtet sie auf jede Verkleidung.

Das Wichtigste in Kürze

•            Das Meme „Western Media When Tragedy Hits“ ordnet die Welt nach medialer Anteilnahme in vier Farben und legt vier Alltagsformeln über eine Weltkarte.

•            Die Reihenfolge zeigt abnehmenden Rechtfertigungsaufwand: Je entfernter das Leid, desto weniger Mühe wird auf die Begründung verwendet, bis die letzte Stufe auf jede Entschuldigung verzichtet.

•            Die Behauptung des Bildes stimmt: 1.663 gegenüber 17,4 Artikeln je Todesopfer eines Konflikts (2023), rund 6 Prozent Sendezeit der Tagesschau für 85 Prozent der Menschheit (1. Halbjahr 2022).

•            Ideologie ist bei Lorenzer weder falsches Wissen noch Lüge. Sie wirkt, weil sie an Konfliktlagen anschließt, die sich nicht als eigene aussprechen lassen, und Affekt organisiert, ohne ihn aufzuklären.

•            Die Legendensätze sind Klischees im Lorenzerschen Sinn: Sie klingen nach Selbstauskunft und benennen kein einziges Gefühl.

•            Der aufschlussreichste Moment liegt im Teilen. Das Bild kritisiert folgenlose Zeichen der Anteilnahme und wirkt selbst als eines.

•            Der Deutung sind Grenzen gesetzt: Kommunikationsblackouts und fehlende Redaktionen erklären fehlende Berichterstattung, bevor irgendein Publikum abwehren kann.

Quellen

·        Brilliant Maps: Western Media When Tragedy Hits Map Meme — https://brilliantmaps.com/western-media-when-tragedy-hits/

·        Vision of Humanity / Institute for Economics & Peace: Unequal Attention. Why Some Conflicts Make Headlines and Others Don’t (2025) — https://www.visionofhumanity.org/unequal-attention-why-some-conflicts-make-headlines-and-others-dont/

·        Ladislaus Ludescher: Vergessene Welten und blinde Flecken. Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens — https://www.ivr-heidelberg.de/studie-analysen/

·        Committee to Protect Journalists: Sudan’s 3 Years of War, Impunity, and the Silencing of the Press — https://cpj.org/2026/04/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press/

·        Committee to Protect Journalists: Journalists, Shutdowns in Myanmar, Ethiopia, Kashmir — https://cpj.org/2021/05/journalists-shutdowns-myanmar-ethiopia-kashmir/

·        C. Daryl Cameron, B. Keith Payne: Escaping Affect. Journal of Personality and Social Psychology 100 (2011), S. 1–15 — https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21219076/

·        Alfred Lorenzer: Sprachzerstörung und Rekonstruktion. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1970.

·        Alfred Lorenzer: Das Konzil der Buchhalter. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1981.

·        Judith Butler: Precarious Life. The Powers of Mourning and Violence. Verso, London, 2004.

·        Luc Boltanski: Distant Suffering. Morality, Media and Politics. Cambridge University Press, 1999.

·        Susan Sontag: Regarding the Pain of Others. Penguin, London 2004.


„Western Media When Tragedy Hits“. Bildzitat: Brilliant Maps, 11. November 2025; Kopfzeile des Fundorts beschnitten.


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DESCRIPTION: Eine Weltkarte sortiert das geäußerte Mitgefühl in vier Farben. Eine psychoanalytische Kulturanalyse darüber, warum das Bild recht hat und trotzdem Ideologie ist.


Die Aufmerksamkeitskarte

Ein Meme stellt die Welt in vier Farben dar, je nachdem, wie sehr uns Nachrichten von dort berühren. Es hat recht. Und gerade, weil es recht hat, lohnt die Frage, was es seinen Lesern eigentlich anbietet. Eine Kulturanalyse über vier Sätze, die niemand mehr aussprechen muss, um sie zu verstehen.

Ein Bild

Unter dem Titel „Western Media When Tragedy Hits“ zirkuliert seit Ende 2025 eine eingefärbte Weltkarte. Grün: Nordamerika, Westeuropa, Australien und Israel: „24 hr coverage, celebrity songs, flag filters, lit up monuments.“ Gelb: der größte Teil Asiens und Lateinamerikas. „Nobody wants to be sad all day.“ Braun: der Nahe Osten und Teile Nordafrikas: „A hopeless situation, just pray.“ Schwarz: Subsahara-Afrika: „Literally do not care.“

Die Karte unterscheidet keine sozialen Faktoren, keine Milieus. Sie plakatiert theoretische Öffentlichkeiten. Sie borgt sich die Autorität einer Projektion, die man aus Atlanten kennt, und legt darüber vier Mustersätze, die aus einem Alltagsgespräch stammen könnten. Diese Verbindung erzeugt ihre Wirkung: Etwas, das man selbst schon gesagt hat, erscheint plötzlich als globales Muster.

Das Bild zirkuliert ohne Urheber, ohne Datum, ohne Quelle. Es gehört damit zu jener Klasse von Gegenständen, an denen sich kulturanalytisch besonders gut arbeiten lässt, weil niemand für sie bürgt und trotzdem alle sie verstehen.

Die Karte hat recht

Bevor die Deutung beginnt, muss die Sachfrage geklärt sein. Der Global Peace Index 2025 hat Mediendaten mit Konfliktdaten abgeglichen und die Zahl der Artikel je Todesopfer eines Konflikts nach Ländergruppen sortiert. Für 2023 liegt der Median bei 1.663 Artikeln je Todesopfer in Ländern mit hohem Einkommen und bei 17,4 in Ländern mit niedrigem Einkommen. Äthiopien und Burkina Faso verzeichneten in diesem Jahr jeweils über 20.000 getötete Zivilisten und kamen kaum vor. Ladislaus Ludescher hat über 5.000 Ausgaben der ARD-Tagesschau ausgewertet: Im ersten Halbjahr 2022 entfielen rund 6 Prozent der Sendezeit auf den Globalen Süden, in dem rund 85 Prozent der Menschheit leben. Im selben Zeitraum bekamen Sportnachrichten mehr Sendezeit als sämtliche Länder des Globalen Südens zusammen.

Die Karte übertreibt also nicht. Dieser Umstand ist für alles Weitere entscheidend, denn er verhindert die bequeme Erledigung. Ideologie besteht bei Alfred Lorenzer weder aus falschem Wissen noch aus absichtlicher Lüge. Ein Bild kann zutreffen und dennoch eine Leistung erbringen, die mit seinem Wahrheitsgehalt nichts zu tun hat.

Die Legende besteht aus Formeln

Alle vier Sätze sind in sich geschlossen. Man muss sie nicht bilden, man erkennt sie wieder. „Wer will sich schon den ganzen Tag traurig fühlen?“ ist keine Aussage, die jemand über sich selbst trifft; es ist eine Wendung, die im Umlauf ist und die jeder schon einmal gehört hat. Dasselbe gilt für „just pray“ und für das Achselzucken, das in „literally do not care“ steckt.

Lorenzer nennt solche Gebilde Klischees. Symbole zerfallen: Ihre Hüllen wirken weiter, ohne dass deren lebensgeschichtlicher und affektiver Sinn verfügbar wäre. Daraus entsteht eine Scheinsprache, die sich äußerlich wie gewöhnliche Sprache kleidet und ihre subjektive Bedeutung nicht offenlegt. Die vier Legendensätze sind genau das. Sie klingen wie Beschreibungen von Gefühlszuständen und benennen kein individuelles Gefühl.

Es geht nicht um versteckten Inhalt hinter dem Bild. Es geht um Brüche zwischen dem, was die Legende sagt, und dem, was das Bild darstellt. Bei dieser Karte liegt der erste Bruch darin, dass ihre Sätze Selbstauskünfte zu sein scheinen und in Wahrheit keine sind.

Grün: der Nachruf als Nationsbildung

Im grünen Feld ist die Anteilnahme sichtbar bis zur hysterischen Sentimentalität. Dauerberichterstattung, Prominenten-Statements, Profilbildfilter, Flaggen, beleuchtete Denkmäler.

Judith Butler hat für diese Zeichen eine unbequeme Beschreibung. Sie fragt, wie ein Nachruf zum Instrument werde, das Leidfähigkeit öffentlich regelt, und nennt ihn deshalb einen „Akt der Nationenbildung“. Das beleuchtete Denkmal ist ein Nachruf in genau diesem Sinn. Es macht ein Leben öffentlich beklagbar und stellt zugleich die Gemeinschaft her, die klagt.

Solidarität und Selbstvergewisserung fallen hier zusammen. Öffentliche Trauerrituale schaffen Aufmerksamkeit, durchbrechen politische Isolation, erzeugen Handlungsdruck. Sie leisten aber immer beides gleichzeitig, und die Karte lebt davon, dass ihre Betrachter beide akzeptieren.

Gelb: das Recht auf die eigene Stimmung

„Wer will schon den ganzen Tag traurig sein?“ Hier wird das Leid der anderen unverhohlen als Zumutung bezeichnet, und eben deshalb wird die Aufmerksamkeit dafür begrenzt.

Psychisch arbeitet dieses Feld über die Isolierung des Affekts. Das Ereignis wird registriert, seine Zumutung an den Westen, wird dosiert. Der Satz beansprucht ein Verfügungsrecht über die eigene Stimmung, jenseits einer Aussage über menschliche Belastbarkeit. Als Legende einer Weltkarte zeigt er die Stelle, an der eine reale Grenze in eine Erlaubnis übergeht: Man darf zur Kenntnis nehmen, dass etwas geschieht, solange dieses Geschehen weder Zeit beansprucht, noch Stimmung oder Alltag trübt.

Braun: Aussichtslosigkeit als Rechtfertigung

„Eine ausweglose Situation – da hilft nur Beten.“ Dieses Feld tarnt sich als Demut. Die Lage wird für unlösbar erklärt und mit ihr die eigene Zuständigkeit. Wer betet, tut ja schließlich auch etwas.

Luc Boltanski hat beschrieben, woran diese Stufe rührt. Beim barmherzigen Samariter fallen Sehen und Handeln noch zusammen, und genau das macht Verpflichtung möglich: Gerade diese Verbindung aus der Möglichkeit des Erkennens und der Möglichkeit des Handelns definiert eine Situation …, die erlaubt, sich einzubringen und sich zu engagieren. Vor dem Nachrichteninhalt fällt beides auseinander. Man sieht hin und muss nichts tun.

Susan Sontag zieht daraus die Konsequenz, die für dieses Feld gilt. In „Regarding the Pain of Others“: Die Frustration darüber, dass man gegen das, was die Bilder zeigen, nichts unternehmen kann, mündet eher in den Vorwurf, die Betrachtung solcher Bilder sei ungehörig, als in einen Handlungsimpuls. Aus Ohnmacht wird so die Rechtfertigung, nicht hinsehen zu müssen.

Das Urteil „hoffnungslos“ hat dabei eine doppelte Wirkung. Es spricht den Menschen in diesen Regionen ihre Handlungsfähigkeit ab, und macht sie zu einer anonymen Masse, der ohnehin nicht zu helfen ist.

Schwarz: Wenn die Ausrede wegfällt

„Das ist mir buchstäblich egal.“ Kein eingefordertes Recht auf die eigene Stimmung, keine eigene Belastung, keine Aussichtslosigkeit, nichts: einfach Desinteresse.

Damit gipfelt die Reihe in der erklärungslosen Verweigerung von Mitgefühl. Je weiter das Leid entfernt ist, desto weniger wird die Kaltherzigkeit gerechtfertigt, bis zur nackten Gleichgültigkeit. Rechtfertigungen sind ein Aufwand, den man nur mit nahem Leid betreibt.

(Es gibt eine deutschsprachige Variante, deren letztes Feld anders lautet: „Bei uns geht’s gerade ums nackte Überleben.“ Dieselbe Endstufe, ein anderes Selbstbild. Die englischsprachige Öffentlichkeit erlaubt sich unverhohlene Gleichgültigkeit; die deutschsprachige erfindet dafür einen scheinheiligen Grund.)

Ideologie

Nun die entscheidende Frage der Analyse: Was leistet dieses Bild für den, der es teilt?

Ideologie wird psychisch wirksam, weil sie an desymbolisierte, sozial ausgeschlossene Bedürfnis- und Konfliktlagen anschließt. Was im Subjekt nicht als eigener Wunsch, eigene Angst oder Ambivalenz symbolisiert und ausgehandelt werden kann, findet eine scheinbare Lösung in kollektiv verfügbaren Deutungsmustern. Die ideologische Formel liefert eine sozial akzeptierte Sprache für etwas, das subjektiv nicht gesagt werden darf. Sie organisiert Affekt, ohne ihn zu benennen.

An welche Konfliktlage schließt diese Karte an? Der Betrachter lebt im grünen Feld. Er weiß von Kriegen, deren Verlauf er nicht beeinflusst, und er profitiert von einer Ordnung, deren Kosten anderswo anfallen. Die eigene Abhängigkeit von dieser Ordnung, die eigene Ohnmacht und die Beschämung darüber lassen sich schwer als Betroffenheit zugeben. Sie passen nicht zum Bild, das der Betrachter von sich hat.

Die Karte bietet dafür eine fertige Sprache an. Sie münzt eine unbestreitbare Selbstbeteiligung in eine Anklage gegen einen Dritten um: gegen die westlichen Medien, gegen ein anonymes Publikum, gegen „uns“ in einer Fassung, in der man selbst nicht vorkommt. Der Affekt wird gebündelt und erhält eine Richtung. Benannt wird er nicht.

Genau darin liegt die ideologische Leistung. Die Zahlen geben der Karte recht. Die Leistung besteht darin, dass die Formel eine individuelle Bedürfnislage ruhigstellt, die in Worten kaum vertretbar wäre.

Das Teilen

Im Umgang mit dem Meme gibt es einen peinlichen Moment: wenn es geteilt wird.

Wer das Bild teilt, tut etwas, das im grünen Feld beschrieben steht. Er setzt ein sichtbares Zeichen der Anteilnahme, das allerdings weder Zeit kostet, noch Handlung nach sich zieht, den Absender zugleich aber auf die richtige Seite stellt. Das Teilen vollzieht genau das, was es dem angesprochenen Publikum des Bildes vorwirft: ein Gefühl, das mit dem Weiterscrollen oder Teilen erledigt ist.

Diese Verdopplung ist die kulturanalytisch aufschlussreichste Eigenschaft des Memes, weil sich darin zeigt, wie eine Kritik selbst zur Entlastung wird. Der Bruch zwischen dem, was das Bild sagt, und dem, was es beim Lesen bewirkt, ist die Stelle, an der Sprache eine Erfahrung zugleich transportiert und abwehrt.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, an dem das ganze Bild kippt. Die grüne Kategorie umfasst neben Nordamerika, Westeuropa und Australien ausdrücklich auch Israel. Damit kommentiert die Karte die Verteilung der Aufmerksamkeit von einem Standpunkt aus, der in den Auseinandersetzungen liegt, über die sie spricht. Wer sie teilt, teilt diese Setzung mit, ohne sie ausgesprochen zu haben. Auch das gehört zu den Leistungen des Klischees: Es transportiert Positionen, die in seinem wörtlichen Inhalt nicht erkennbar sind.

Was die Karte nicht erklärt

Eine Deutung, die alles erklärt, erklärt nichts. Abwehr setzt voraus, dass etwas da war, von dem man sich abwenden konnte. Äthiopien verhängte am 4. November 2020 einen Kommunikationsblackout über Tigray, im Sudan brachen ab Februar 2024 die Mobilfunknetze zusammen, und die Belagerung von El Fasher nennt das Committee to Protect Journalists eine Informationsblockade. Wo keine Redaktion arbeitet und keine Todesfälle registriert werden, entsteht die Lücke noch vor jeder Publikumsreaktion in dem Nachrichteninhalt selbst.

Das grenzt die Deutung ein und macht sie brauchbar. Warum berichtet wird, erklären Zugang, Budget und redaktionelle Routine. Die Abwehr erklärt, was geschieht, wenn berichtet wird und das Wissen dennoch folgenlos bleibt.

Echte Anteilnahme

Bleibt die Frage, wie eine Anteilnahme aussähe, die diesen Namen verdiente. Sie wäre weder eine ununterbrochene private Erschütterung noch weniger eine selbstgerechte moralische Dauerentrüstung. Niemand kann acht Milliarden Menschen ununterbrochen betrauern, und die verbreitete Rede von der Mitgefühlsmüdigkeit ist ohnehin schlechter belegt, als sie klingt. Daryl Cameron und Keith Payne zeigten 2011, dass das Mitgefühl gegenüber vielen Opfern nur dann einbricht, wenn die Versuchspersonen erwarten, gleich um Hilfe gebeten zu werden. Das Gefühl bleibt verfügbar, wird aber heruntergeregelt, sobald eine Forderung droht.

Angemessene Anteilnahme zeigt sich damit in einem belastbaren Verhältnis von Wissen, Aufmerksamkeit und Handlung: sich informieren, Betroffene nicht auf Opferbilder reduzieren, konkrete Hilfsstrukturen unterstützen, politische Verantwortlichkeiten benennen und dort, wo es möglich ist, institutionelle Folgen einfordern. Daran lässt sich prüfen, was andernfalls Lippenbekenntnis bleibt.

Abwehr beginnt nicht bei Abgrenzung. Sie beginnt dort, wo die eigene Belastung oder die behauptete Aussichtslosigkeit pauschal zur Formel wird, die jeden Anspruch anderer delegitimiert. Gleichgültigkeit tritt selten als solche auf. Sie gibt sich als Selbstschutz, als Aussichtslosigkeit, als Prioritätensetzung oder als existenzielle Not, und erst ganz am Ende, wo niemand mehr hinsieht, verzichtet sie auf jede Verkleidung.

Das Wichtigste in Kürze

•            Das Meme „Western Media When Tragedy Hits“ ordnet die Welt nach medialer Anteilnahme in vier Farben und legt vier Alltagsformeln über eine Weltkarte.

•            Die Reihenfolge zeigt abnehmenden Rechtfertigungsaufwand: Je entfernter das Leid, desto weniger Mühe wird auf die Begründung verwendet, bis die letzte Stufe auf jede Entschuldigung verzichtet.

•            Die Behauptung des Bildes stimmt: 1.663 gegenüber 17,4 Artikeln je Todesopfer eines Konflikts (2023), rund 6 Prozent Sendezeit der Tagesschau für 85 Prozent der Menschheit (1. Halbjahr 2022).

•            Ideologie ist bei Lorenzer weder falsches Wissen noch Lüge. Sie wirkt, weil sie an Konfliktlagen anschließt, die sich nicht als eigene aussprechen lassen, und Affekt organisiert, ohne ihn aufzuklären.

•            Die Legendensätze sind Klischees im Lorenzerschen Sinn: Sie klingen nach Selbstauskunft und benennen kein einziges Gefühl.

•            Der aufschlussreichste Moment liegt im Teilen. Das Bild kritisiert folgenlose Zeichen der Anteilnahme und wirkt selbst als eines.

•            Der Deutung sind Grenzen gesetzt: Kommunikationsblackouts und fehlende Redaktionen erklären fehlende Berichterstattung, bevor irgendein Publikum abwehren kann.

Quellen

·        Brilliant Maps: Western Media When Tragedy Hits Map Meme — https://brilliantmaps.com/western-media-when-tragedy-hits/

·        Vision of Humanity / Institute for Economics & Peace: Unequal Attention. Why Some Conflicts Make Headlines and Others Don’t (2025) — https://www.visionofhumanity.org/unequal-attention-why-some-conflicts-make-headlines-and-others-dont/

·        Ladislaus Ludescher: Vergessene Welten und blinde Flecken. Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens — https://www.ivr-heidelberg.de/studie-analysen/

·        Committee to Protect Journalists: Sudan’s 3 Years of War, Impunity, and the Silencing of the Press — https://cpj.org/2026/04/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press/

·        Committee to Protect Journalists: Journalists, Shutdowns in Myanmar, Ethiopia, Kashmir — https://cpj.org/2021/05/journalists-shutdowns-myanmar-ethiopia-kashmir/

·        C. Daryl Cameron, B. Keith Payne: Escaping Affect. Journal of Personality and Social Psychology 100 (2011), S. 1–15 — https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21219076/

·        Alfred Lorenzer: Sprachzerstörung und Rekonstruktion. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1970.

·        Alfred Lorenzer: Das Konzil der Buchhalter. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1981.

·        Judith Butler: Precarious Life. The Powers of Mourning and Violence. Verso, London, 2004.

·        Luc Boltanski: Distant Suffering. Morality, Media and Politics. Cambridge University Press, 1999.

·        Susan Sontag: Regarding the Pain of Others. Penguin, London 2004.


„Western Media When Tragedy Hits“. Bildzitat: Brilliant Maps, 11. November 2025; Kopfzeile des Fundorts beschnitten.


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Samstag, 19.9.2026

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Anfahrt & Öffnungszeiten

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Psychologie Berlin

c./o. AVATARAS Institut

Kalckreuthstr. 16 – 10777 Berlin

virtuelles Festnetz: +49 30 26323366

E-Mail: info@praxis-psychologie-berlin.de

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