Maxxing-Müdigkeit: Maxxing und kein Ende, oder das Ende der Selbstoptimierung?

Maxxing-Müdigkeit: Maxxing und kein Ende, oder das Ende der Selbstoptimierung?

Maxxing-Müdigkeit

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eine frau schläft auf einer coach - neben ihr ist ein handy - das etwas auf dem handydisplay anzeigt

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Sleepmaxxing, Fibermaxxing, Looksmaxxing. Die Optimierung hat jede Lebensregung erfasst. 2026 kippt die Stimmung: 84 Prozent der Looksmaxxing-Erwähnungen sind negativ, die Wellnessbranche ruft die Gegenbewegung aus.

Maxxing-Müdigkeit: Wie sich die Selbstoptimierung gerade selbst verbrennt, und der Genuss zum neuen Soll wird

Der Global Wellness Summit, eine der einflussreichsten Trendinstanzen der Branche, hat für 2026 eine Wende ausgerufen: Schluss mit dem Härter-Optimieren, zurück zu Sicherheit, Verbindung und Genuss. Im selben Zeitraum zeigt die Stimmung im Netz, wie müde die Optimierung das Publikum gemacht hat: Looksmaxxing wurde zwischen September 2025 und Anfang 2026 über 806.000-mal in sozialen Medien erwähnt, 84 Prozent dieser Erwähnungen waren negativ. Die Ära des Maxxing hat ihren Zenit überschritten, und die Branche, die sie befeuert hat, ruft als Erste die Gegenbewegung aus. Diese Doppelbewegung lohnt einen genauen Blick, denn die Erholung vom Optimieren wird gerade selbst zum Optimierungsprojekt.

Die Karriere eines Suffixes: vom Looksmaxxing zur Maxxing-Müdigkeit

Das Suffix „-maxxing“ stammt aus Gaming-Foren, wo es das Maximieren eines Spielwerts bezeichnete. Von dort wanderte es in die Looksmaxxing-Szene und meinte die aggressive Maximierung der eigenen Attraktivität. Hautprotokolle, Kieferlinie, im Extrem chirurgische Eingriffe und Bone-Smashing-Videos. Dann breitete es sich aus, über jede Bahn des Alltags: Sleepmaxxing optimiert den Schlaf, Fibermaxxing die Ballaststoffe, Proteinmaxxing die Eiweißzufuhr, Productivitymaxxing den Arbeitstag. Selbst der Rückzug bekam das Etikett. Solo-Maxxing maximiert das Alleinsein, Nonnamaxxing das langsame Leben.

In dieser lückenlosen Ausbreitung steckt eine Kulturdiagnose. Wenn jede Lebensregung ein Maximierungsverb bekommt, dann ist die Optimierung von einer Tätigkeit zu einer Grundhaltung geworden. Essen, Schlafen, Atmen, Ausruhen. Alles wird zur Disziplin mit Zielwert, Tracking und Bestleistung. Genau an dieser Totalität verbrennt sich der Trend nun. Die 84 Prozent negativer Erwähnungen sind das Symptom einer Erschöpfung am Zuviel der Optimierung.

Wenn Gesundheit selbst zur Stressquelle wird

Die psychologische Mechanik dahinter ist gut beschrieben. Wer jede Gewohnheit in eine Kennzahl übersetzt, verwandelt das eigene Leben in eine permanente Prüfung. Der verpasste Lauf ruiniert den Tag. Der schlechte Schlaf-Score macht Angst, noch bevor man aufgestanden ist. Die Schlafmedizin hat dafür sogar einen eigenen Begriff geprägt: Orthosomnie beschreibt die paradoxe Störung, bei der das verbissene Streben nach dem perfekten Schlaf den Schlaf gerade verhindert. Das Messgerät erzeugt die Sorge, die es zu lindern verspricht.

Dahinter steht ein alter klinischer Befund: Perfektionismus ist ein robuster Risikofaktor für Angst, Depression, Essstörungen, chronischen Stress und Burnout. Die Maxxing-Kultur hat den Perfektionismus demokratisiert und mit Apps ausgestattet. Sie macht aus Selbstfürsorge eine Leistungsdisziplin, in der schon das Ausruhen einen Sollwert hat. Eine 2025er Umfrage zeigt, wie hoch der Preis besonders bei jungen Menschen liegt: Fast die Hälfte der unter 24-Jährigen erwog im Zuge des Looksmaxxing eine Operation, über 55 Prozent berichteten von Stress oder Angst rund um das eigene Aussehen.

Körperkapital und das Optimieren als Schaustück

Warum optimieren Menschen so sichtbar? Eine Antwort liefert Thorstein Veblen, der bereits 1899 beschrieb, wie die soziale Stellung über demonstrativen Konsum ausgestellt wird , durch Güter und Gesten, die zeigen, dass man sie sich leisten kann. Die Maxxing-Kultur ist die Körperversion dieses Schaustücks. Der gestählte Körper, die makellose Haut, der perfekte Schlaf-Score sind Belege einer Investition, die Zeit, Geld und Disziplin verlangt. Wer sie vorzeigt, zeigt vor, über diese Ressourcen zu verfügen.

Das verbindet den Maxxing-Trend mit einer Linie, die dieser Blog im Stück über den Körperkapitalismus verfolgt hat: Der Körper wird zum Kapital, in das man investiert und mit dessen Rendite man sich am sozialen Markt platziert. Optimierung ist damit eine ökonomische Geste, ausgeführt am eigenen Leib. Und wie jedes Distinktionsmittel entwertet sie sich, sobald sie alle betreiben. Wenn jeder maximiert, signalisiert das Maximieren keinen Vorsprung mehr. Genau hier setzt die Müdigkeit ein, und genau hier wittert die Branche das nächste Geschäft.

Die Gegenbewegung als Optimierung im Tarnmantel

Die Wellnessbranche reagiert auf die Erschöpfung mit einer Erzählung, die zunächst befreiend klingt: Statt zu optimieren, solle man jetzt fühlen, verbinden, genießen. Liest man genauer, kehrt im Lob des Genusses die alte Logik zurück. Der Genuss wird zum neuen Sollwert, die Entspannung zur Disziplin, die man richtig zu betreiben hat. Aus dem Ruhetag wird das „Recovery-Protokoll“, aus dem Müßiggang die „intentionale Muße-Praxis“, aus dem Nichtstun ein weiteres Format mit Anleitung, Tracking und Bestpraxis. Die Anti-Optimierung trägt den Tarnmantel der Optimierung.

Diese Figur hat eine theoretische Tiefe, die sich an Rousseau zeigen lässt. In seinem „Émile“ entwirft Rousseau eine Erziehung, in der das Kind tut, was vorgesehen ist, und dabei überzeugt bleibt, es folge seinem eigenen, freien Willen. Die Anweisung verschwindet aus dem Befehl und zieht in das vermeintlich eigene Wollen. Die Genuss-Wende der Wellnessindustrie funktioniert nach demselben Muster: Der Imperativ „Optimiere dich“ verschwindet aus dem offenen Leistungsappell und kehrt als inneres Bedürfnis zurück, jetzt auch noch beim Ausruhen alles richtig zu machen. Man soll sich nicht mehr zur Leistung treiben , man soll sich zur Entspannung treiben, und die alte Anspannung sitzt mit am Tisch.

Kein Ausweg aus der Wearable-Kultur ließe

Die Müdigkeit am Maxxing zeigt auf einen realen Zustand: eine Kultur, die jede Lebensregung in eine vermessene Disziplin verwandelt hat und an dieser Totalität erschöpft. Das Bedürfnis nach weniger Selbstvermessung ist echt. Sein Schicksal ist, dass der Markt es im selben Moment wieder in Dienst nimmt, in dem es sich regt. Aus dem Ruhetag wird das verkaufte Recovery-Protokoll, aus dem Müßiggang die angeleitete Muße-Praxis, aus dem Bedürfnis nach Pause der nächste Sollwert. Biohacking kennt keinen Ausweg, den es nicht selbst als Produkt anböte.

Genau darin liegt die Verwandtschaft zu Rousseaus zärtlicher Herrschaft und zu Veblens Schaustück. Der Imperativ verschwindet aus dem offenen Leistungsappell und kehrt als vermeintlich eigenes Bedürfnis zurück, jetzt beim Genießen alles richtig zu machen. Was eine solche Kultur nicht verkaufen kann, ist das Gut-genug: der Körper, der gesund ist, ohne maximiert zu sein, der Schlaf, der erholt, ohne perfekt zu sein, der Tag, der gelingt, ohne ausgereizt zu werden. Das Gut-genug trägt keinen Zielwert und wirft keine Rendite ab, und deshalb hat die Optimierungskultur es still abgeschafft. Die Gegenbewegung, die sie nun ausruft, holt es nicht zurück. Sie verkauft die Ruhe als die letzte Disziplin, die noch frei war.

Zusammenfassung: Maxxing-Müdigkeit und der Genuss als neues Soll

•             Der Global Wellness Summit ruft für 2026 die Gegenbewegung zur Überoptimierung aus; zugleich sind 84 Prozent von über 806.000 Looksmaxxing negativ. Die Maxxing-Ära hat ihren Zenit überschritten.

•             Das Suffix „–maxxing“ hat sich von Looksmaxxing über Sleep-, Fiber-, Protein- und Productivitymaxxing bis zu Solo- und Nonnamaxxing ausgebreitet. Die lückenlose Ausbreitung zeigt: Optimierung ist von einer Tätigkeit zur Grundhaltung geworden.

•             Psychologische Mechanik: Wer jede Gewohnheit in eine Kennzahl übersetzt, macht das Leben zur Dauerprüfung. Orthosomnie (das verbissene Streben nach perfektem Schlaf verhindert den Schlaf) ist ein Beispiel; Perfektionismus ist ein robuster Risikofaktor für Angst, Depression und Burnout.

•             Optimierung ist demonstrativer Konsum am eigenen Körper , ein Schaustück verfügbarer Ressourcen, das sich entwertet, sobald alle es betreiben.

•             Die Gegenbewegung der Branche verkauft den Genuss als neuen Sollwert: Recovery-Protokoll, intentionale Muße-Praxis. Der Imperativ verschwindet aus dem Appell und kehrt als vermeintlich eigenes Bedürfnis zurück.

•             Das Bedürfnis nach weniger Selbstvermessung ist echt, doch die Branche nimmt es sofort wieder in Dienst (Genuss als Soll, Recovery-Protokoll). Einen anderen als käuflichen Ausgang aus der Messkultur gibt es nicht, weil jeder Ausgang als nächstes Produkt angeboten wird. Was sie nicht verkaufen kann, ist das Gut-genug , der Körper, der gesund ist, ohne maximiert zu sein.


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Sleepmaxxing, Fibermaxxing, Looksmaxxing. Die Optimierung hat jede Lebensregung erfasst. 2026 kippt die Stimmung: 84 Prozent der Looksmaxxing-Erwähnungen sind negativ, die Wellnessbranche ruft die Gegenbewegung aus.

Maxxing-Müdigkeit: Wie sich die Selbstoptimierung gerade selbst verbrennt, und der Genuss zum neuen Soll wird

Der Global Wellness Summit, eine der einflussreichsten Trendinstanzen der Branche, hat für 2026 eine Wende ausgerufen: Schluss mit dem Härter-Optimieren, zurück zu Sicherheit, Verbindung und Genuss. Im selben Zeitraum zeigt die Stimmung im Netz, wie müde die Optimierung das Publikum gemacht hat: Looksmaxxing wurde zwischen September 2025 und Anfang 2026 über 806.000-mal in sozialen Medien erwähnt, 84 Prozent dieser Erwähnungen waren negativ. Die Ära des Maxxing hat ihren Zenit überschritten, und die Branche, die sie befeuert hat, ruft als Erste die Gegenbewegung aus. Diese Doppelbewegung lohnt einen genauen Blick, denn die Erholung vom Optimieren wird gerade selbst zum Optimierungsprojekt.

Die Karriere eines Suffixes: vom Looksmaxxing zur Maxxing-Müdigkeit

Das Suffix „-maxxing“ stammt aus Gaming-Foren, wo es das Maximieren eines Spielwerts bezeichnete. Von dort wanderte es in die Looksmaxxing-Szene und meinte die aggressive Maximierung der eigenen Attraktivität. Hautprotokolle, Kieferlinie, im Extrem chirurgische Eingriffe und Bone-Smashing-Videos. Dann breitete es sich aus, über jede Bahn des Alltags: Sleepmaxxing optimiert den Schlaf, Fibermaxxing die Ballaststoffe, Proteinmaxxing die Eiweißzufuhr, Productivitymaxxing den Arbeitstag. Selbst der Rückzug bekam das Etikett. Solo-Maxxing maximiert das Alleinsein, Nonnamaxxing das langsame Leben.

In dieser lückenlosen Ausbreitung steckt eine Kulturdiagnose. Wenn jede Lebensregung ein Maximierungsverb bekommt, dann ist die Optimierung von einer Tätigkeit zu einer Grundhaltung geworden. Essen, Schlafen, Atmen, Ausruhen. Alles wird zur Disziplin mit Zielwert, Tracking und Bestleistung. Genau an dieser Totalität verbrennt sich der Trend nun. Die 84 Prozent negativer Erwähnungen sind das Symptom einer Erschöpfung am Zuviel der Optimierung.

Wenn Gesundheit selbst zur Stressquelle wird

Die psychologische Mechanik dahinter ist gut beschrieben. Wer jede Gewohnheit in eine Kennzahl übersetzt, verwandelt das eigene Leben in eine permanente Prüfung. Der verpasste Lauf ruiniert den Tag. Der schlechte Schlaf-Score macht Angst, noch bevor man aufgestanden ist. Die Schlafmedizin hat dafür sogar einen eigenen Begriff geprägt: Orthosomnie beschreibt die paradoxe Störung, bei der das verbissene Streben nach dem perfekten Schlaf den Schlaf gerade verhindert. Das Messgerät erzeugt die Sorge, die es zu lindern verspricht.

Dahinter steht ein alter klinischer Befund: Perfektionismus ist ein robuster Risikofaktor für Angst, Depression, Essstörungen, chronischen Stress und Burnout. Die Maxxing-Kultur hat den Perfektionismus demokratisiert und mit Apps ausgestattet. Sie macht aus Selbstfürsorge eine Leistungsdisziplin, in der schon das Ausruhen einen Sollwert hat. Eine 2025er Umfrage zeigt, wie hoch der Preis besonders bei jungen Menschen liegt: Fast die Hälfte der unter 24-Jährigen erwog im Zuge des Looksmaxxing eine Operation, über 55 Prozent berichteten von Stress oder Angst rund um das eigene Aussehen.

Körperkapital und das Optimieren als Schaustück

Warum optimieren Menschen so sichtbar? Eine Antwort liefert Thorstein Veblen, der bereits 1899 beschrieb, wie die soziale Stellung über demonstrativen Konsum ausgestellt wird , durch Güter und Gesten, die zeigen, dass man sie sich leisten kann. Die Maxxing-Kultur ist die Körperversion dieses Schaustücks. Der gestählte Körper, die makellose Haut, der perfekte Schlaf-Score sind Belege einer Investition, die Zeit, Geld und Disziplin verlangt. Wer sie vorzeigt, zeigt vor, über diese Ressourcen zu verfügen.

Das verbindet den Maxxing-Trend mit einer Linie, die dieser Blog im Stück über den Körperkapitalismus verfolgt hat: Der Körper wird zum Kapital, in das man investiert und mit dessen Rendite man sich am sozialen Markt platziert. Optimierung ist damit eine ökonomische Geste, ausgeführt am eigenen Leib. Und wie jedes Distinktionsmittel entwertet sie sich, sobald sie alle betreiben. Wenn jeder maximiert, signalisiert das Maximieren keinen Vorsprung mehr. Genau hier setzt die Müdigkeit ein, und genau hier wittert die Branche das nächste Geschäft.

Die Gegenbewegung als Optimierung im Tarnmantel

Die Wellnessbranche reagiert auf die Erschöpfung mit einer Erzählung, die zunächst befreiend klingt: Statt zu optimieren, solle man jetzt fühlen, verbinden, genießen. Liest man genauer, kehrt im Lob des Genusses die alte Logik zurück. Der Genuss wird zum neuen Sollwert, die Entspannung zur Disziplin, die man richtig zu betreiben hat. Aus dem Ruhetag wird das „Recovery-Protokoll“, aus dem Müßiggang die „intentionale Muße-Praxis“, aus dem Nichtstun ein weiteres Format mit Anleitung, Tracking und Bestpraxis. Die Anti-Optimierung trägt den Tarnmantel der Optimierung.

Diese Figur hat eine theoretische Tiefe, die sich an Rousseau zeigen lässt. In seinem „Émile“ entwirft Rousseau eine Erziehung, in der das Kind tut, was vorgesehen ist, und dabei überzeugt bleibt, es folge seinem eigenen, freien Willen. Die Anweisung verschwindet aus dem Befehl und zieht in das vermeintlich eigene Wollen. Die Genuss-Wende der Wellnessindustrie funktioniert nach demselben Muster: Der Imperativ „Optimiere dich“ verschwindet aus dem offenen Leistungsappell und kehrt als inneres Bedürfnis zurück, jetzt auch noch beim Ausruhen alles richtig zu machen. Man soll sich nicht mehr zur Leistung treiben , man soll sich zur Entspannung treiben, und die alte Anspannung sitzt mit am Tisch.

Kein Ausweg aus der Wearable-Kultur ließe

Die Müdigkeit am Maxxing zeigt auf einen realen Zustand: eine Kultur, die jede Lebensregung in eine vermessene Disziplin verwandelt hat und an dieser Totalität erschöpft. Das Bedürfnis nach weniger Selbstvermessung ist echt. Sein Schicksal ist, dass der Markt es im selben Moment wieder in Dienst nimmt, in dem es sich regt. Aus dem Ruhetag wird das verkaufte Recovery-Protokoll, aus dem Müßiggang die angeleitete Muße-Praxis, aus dem Bedürfnis nach Pause der nächste Sollwert. Biohacking kennt keinen Ausweg, den es nicht selbst als Produkt anböte.

Genau darin liegt die Verwandtschaft zu Rousseaus zärtlicher Herrschaft und zu Veblens Schaustück. Der Imperativ verschwindet aus dem offenen Leistungsappell und kehrt als vermeintlich eigenes Bedürfnis zurück, jetzt beim Genießen alles richtig zu machen. Was eine solche Kultur nicht verkaufen kann, ist das Gut-genug: der Körper, der gesund ist, ohne maximiert zu sein, der Schlaf, der erholt, ohne perfekt zu sein, der Tag, der gelingt, ohne ausgereizt zu werden. Das Gut-genug trägt keinen Zielwert und wirft keine Rendite ab, und deshalb hat die Optimierungskultur es still abgeschafft. Die Gegenbewegung, die sie nun ausruft, holt es nicht zurück. Sie verkauft die Ruhe als die letzte Disziplin, die noch frei war.

Zusammenfassung: Maxxing-Müdigkeit und der Genuss als neues Soll

•             Der Global Wellness Summit ruft für 2026 die Gegenbewegung zur Überoptimierung aus; zugleich sind 84 Prozent von über 806.000 Looksmaxxing negativ. Die Maxxing-Ära hat ihren Zenit überschritten.

•             Das Suffix „–maxxing“ hat sich von Looksmaxxing über Sleep-, Fiber-, Protein- und Productivitymaxxing bis zu Solo- und Nonnamaxxing ausgebreitet. Die lückenlose Ausbreitung zeigt: Optimierung ist von einer Tätigkeit zur Grundhaltung geworden.

•             Psychologische Mechanik: Wer jede Gewohnheit in eine Kennzahl übersetzt, macht das Leben zur Dauerprüfung. Orthosomnie (das verbissene Streben nach perfektem Schlaf verhindert den Schlaf) ist ein Beispiel; Perfektionismus ist ein robuster Risikofaktor für Angst, Depression und Burnout.

•             Optimierung ist demonstrativer Konsum am eigenen Körper , ein Schaustück verfügbarer Ressourcen, das sich entwertet, sobald alle es betreiben.

•             Die Gegenbewegung der Branche verkauft den Genuss als neuen Sollwert: Recovery-Protokoll, intentionale Muße-Praxis. Der Imperativ verschwindet aus dem Appell und kehrt als vermeintlich eigenes Bedürfnis zurück.

•             Das Bedürfnis nach weniger Selbstvermessung ist echt, doch die Branche nimmt es sofort wieder in Dienst (Genuss als Soll, Recovery-Protokoll). Einen anderen als käuflichen Ausgang aus der Messkultur gibt es nicht, weil jeder Ausgang als nächstes Produkt angeboten wird. Was sie nicht verkaufen kann, ist das Gut-genug , der Körper, der gesund ist, ohne maximiert zu sein.


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