Burnout bei ADHS und Autismus: Digitale Medien Rückzugsort oder Suchtrisiko?

Burnout bei ADHS und Autismus: Digitale Medien Rückzugsort oder Suchtrisiko?

Burnout bei ADHS und Autismus

Veröffentlicht am:

13.04.2026

eine frau sitzt in einem dunklen raum und schaut auf ihr handy, um ihre hände sind ketten

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Autismus und ADHS, Masking und der Versuch, in die Welt zu passen, führen zu Burnout. Medienkonsum ist dabei mal Symptom, mal Lösung , und wann er zur Mediensucht führen kann, Was im Alltag hilft.

Burnout bei ADHS und Autismus: Digitale Medien als Rückzugsort und Suchtrisiko

Derselbe Mensch. Derselbe Bildschirm. Zwei völlig verschiedene Nervensystemzustände.

Einmal scrollt er, weil er eine unangenehme Aufgabe nicht starten kann und sein Gehirn im Leerlauf nach einem Dopaminimpuls sucht, der den Startknopf drückt. Ein anderes Mal scrollt er, weil er nach acht Stunden Masking, Reizfilterung und sozialer Anpassung so erschöpft ist, dass echte Stille unerträglicher wäre als jede Stimulation.

Beide Male sieht es von außen gleich aus. Neurobiologisch ist es das Gegenteil.

Genau hier versagen gängige Vorstellungen über Bildschirmzeit, digitale Gewohnheiten und „Brain Rot“: Sie bedenken zwei entgegengesetzte Zustände mit derselben Antwort: weniger Bildschirm. Mehr Disziplin. Das stimmt für neurotypische Erwachsene. Für Erwachsene mit Autismus, ADHS oder beidem ist es schlicht falsch  und im schlechteren Fall ein weiterer Stressor in einem Alltag, der ohnehin schon zu viel verlangt.

TL;DR

·         Burnout bei Autismus und ADHS entsteht durch jahrelangen Konflikt zwischen äußeren Erwartungen und den eigenen neurologischen Kapazitäten , Masking ist der zentrale, meist unsichtbare Treiber.

·         Digitale Medien erfüllen je nach Nervensystemzustand entgegengesetzte Funktionen: Vermeidung bei Hyperarousal, Überbrückung bei Aktivierungserschöpfung.

·         Die Kompetenz, die AuDHS-Erwachsene brauchen, ist Selbstwahrnehmung , nicht Verbot.

·         Das Risiko liegt nicht im Bildschirm, sondern darin, wenn der Bildschirm die einzige verbliebene Regulationsstrategie ist.

Was AuDHS-Burnout von anderen Erschöpfungszuständen unterscheidet

Burnout bei ADHS und Autismus ist kein Burnout im arbeitsmedizinischen Standardsinn. Er entsteht nicht durch Arbeitsbelastungen, Überstunden oder schlechte Führung. Er entsteht durch das dauerhafte Missverhältnis zwischen dem, was die neurotypische Gesellschaft als selbstverständlich voraussetzt, und dem, was ein AuDHS-Nervensystem dafür aufwenden muss.

Menschen mit Autismus verarbeiten visuelle Reize, akustische Eindrücke und soziale Signale mit höherer Intensität. Das Autismus-System verarbeitet diese Eindrücke aktiv, nicht passiv. Jede Begegnung, jedes Meeting, jeder Einkauf ist ein Regulationsakt. ADHS kämpft parallel gegen eine strukturell instabile Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation.

Zugleich versuchen Betroffene häufig schon seit der Kindheit, ihr Verhalten und ihre Reaktionen an die neurotypische Gesellschaft anzupassen , nicht aus freiem Willen, sondern weil soziales Überleben davon abhing. Das bedeutet chronischen Stress, der sich über Jahre aufschichtet, bis die Reserven aufgebraucht sind.

Masking: Was es kostet, unsichtbar zu funktionieren

Masking ist die am häufigsten unterschätzte Erschöpfungsquelle bei AuDHS (und nicht nur dort). Betroffene lernen früh, untypische Verhaltensweisen zu unterdrücken, neurotypische Kommunikation zu imitieren, Blickkontakt zu erzwingen, Reaktionen zu verzögern. Von außen wirkt das wie Kompetenz. Neurobiologisch ist es für Betroffene extrem anstrengend , und zwar dauerhaft, nicht gelegentlich.

Je besser Masking funktioniert, umso weniger Anerkennung von nahestehenden Mitmenschen gibt es. Wer unauffällig wirkt, gilt als stabil. Nahestehende und soziale Missverständnisse sind deshalb ein weiterer Stressor: „Du siehst doch gar nicht erschöpft aus“, ist keine Entlastung.

Der Burnout brachte für viele Betroffene erst ans Licht, was lange verborgen war, dass Reserven endgültig aufgebraucht waren.

Zwei Zustände, ein Bildschirm , der entscheidende Unterschied

Digitale Medien erfüllen bei AuDHS je nach Erschöpfungszustand völlig verschiedene Funktionen. Wer das nicht unterscheidet, empfiehlt in beiden Fällen dasselbe  und liegt in einem Fall systematisch falsch.

Zustand 1: Hyperarousal und Vermeidung

Der Rennmotor des ADHS-Gehirns kämpft mit einer biologischen Zündungsfalle: Wenn die Exekutivfunktion nicht anspringt, verweigert das Gehirn die Initiierung schwieriger Aufgaben. Endloses Scrollen ist in diesem Zustand tatsächlich ein Problem. Das Nervensystem sucht einen Dopaminimpuls, der den Start ermöglicht, und findet ihn nicht, weil der Feed zu fragmentiert ist, um echte Aktivierung zu erzeugen.

App-Hopping , das sekundenschnelle Wechseln zwischen Anwendungen , ist die digitale Entsprechung motorischer Hyperaktivität. Das Arbeitsgedächtnis, bei ADHS ohnehin eingeschränkt, wird durch ständige Kontextwechsel vollständig aufgezehrt. Dopamin-Binging durch hochintensiven Inhalt verschiebt die Reizschwelle nach oben: Alltägliche Anforderungen , Haushalt, Behördenkommunikation, ein einfaches Telefonat  werden subjektiv unerträglich schwer zu starten.

In diesem Zustand hat stimmt es: Der Bildschirm verstärkt das Problem.

Zustand 2: Aktivierungserschöpfung

Das ist der Zustand, den neurotypische Wellness-Ratgeber nicht kennen  und deshalb nicht adressieren können.

Aktivierungserschöpfung bedeutet: fertig und gleichzeitig unter Strom. Das Nervensystem ist erschöpft, aber nicht heruntergeregelt. Es hat keine Kapazität mehr für Anforderungen  und gleichzeitig keine Kapazität für echte Stille. Wer nach einem langen Tag voll Masking, Reizüberflutung und sozialer Anpassungsleistung in diesem Zustand ist, erlebt Ruhe nicht als Erholung, sondern als unerträgliche Leere.

„Mach einen Spaziergang.“ „Meditiere.“ „Leg das Handy weg und lies ein Buch.“ Das sind Aktivitäten, die Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung und Entscheidungen verlangen. Für ein Nervensystem in Aktivierungserschöpfung sind das keine Erholungsangebote. Es sind weitere Anforderungen.

Digitale Medien liefern in diesem Zustand, was das Nervensystem braucht: dosierbare, kontrollierbare, pausierbare Stimulation ohne sozialen Druck. Kein Blickkontakt, keine Erwartungen, keine Interpretation von Körpersprache. Reize, die konsumiert werden können, ohne dabei regulieren zu müssen. Passives Schauen ist dann keine Dissoziation , es ist Überbrückung. Das Nervensystem stabilisiert sich, bis es tatsächlich herunterkommt.

In diesem Zustand ist der gängige Rat nicht nur falsch , es ist kontraproduktiv.

Reizüberflutung und Audioinput: Auch hier gilt der Unterschied

Dauerhafter Audioinput (Podcasts, Musik, Hintergrundvideos) wird im üblichen Diskurs als Erschöpfungsverstärker gewertet. Das stimmt in manchen Situationen. Für AuDHS ist Hintergrundaudio jedoch aktive Reizregulation: Es dämpft den chaotischen inneren Monolog, schafft einen handhabbaren Kanal und verhindert, dass das Gehirn sich in unkontrollierten Gedankenspiralen verliert.

Die Fragen lauten: Welche Funktion erfüllt der Audioinput gerade? Anker oder Betäubung? Ist er selbstkontrolliert? Das erfordert Selbstwahrnehmung , kein pauschales Verbot.

Ähnliches gilt für spätnächtliche Bildschirmnutzung. Das AuDHS-Nervensystem hat häufig eine verzögerte innere Uhr. Die Nacht ist oft der einzige Zeitraum ohne externe Anforderungen. Wer das als Disziplinproblem rahmt, ignoriert, dass Schlafstörungen bei AuDHS eine neurobiologische Grundlage haben , und dass der Griff zum Bildschirm nachts dieselbe Funktion erfüllt wie tagsüber: das Nervensystem auf einem erträglichen Niveau halten, bis der Schlaf kommt.

Das tatsächliche Risiko: Wenn der Bildschirm die einzige Strategie ist

Das Risiko digitaler Medien bei AuDHS liegt nicht in der Nutzung an sich. Es liegt in der Verengung. Wenn übermäßiger Medienkonsum die einzige verbliebene Regulationsstrategie ist , weil alle anderen durch Erschöpfung, mangelnde Diagnostik oder fehlende Unterstützung weggefallen sind , dann kann er zur Mediensucht führen.

Das ist kein Argument gegen Bildschirmzeit. Es ist ein Argument für ein breiteres Repertoire an Regulationsstrategien und für ein Umfeld, das Betroffene dabei unterstützt, dieses Repertoire aufzubauen. Die Schwierigkeiten im Alltag, die kaum mehr vorhandene Belastbarkeit bei äußeren Reizen, die starken Konzentrations- und Gedächtnisprobleme – all das sind Zeichen eines unterversorgten Nervensystems, keine Charaktermängel.

Fachkräfte, die ausschließlich auf Medienreduktion setzen, ohne den zugrundeliegenden Burnout bei AuDHS zu adressieren, behandeln das Symptom und verstärken die Ursache.

Was tatsächlich hilft: Selbstwahrnehmung als Kernkompetenz

Die Kompetenz, die Erwachsene mit AuDHS brauchen, ist die Fähigkeit, den eigenen Nervensystemzustand zu lesen.

Bin ich gerade in Vermeidung , läuft eine Aufgabe an, die ich nicht starte, und scrolle ich, weil der Startimpuls fehlt? Oder bin ich in Aktivierungserschöpfung , habe ich alles gegeben, bin erschöpft und unter Strom, und brauche Überbrückung, bis das System herunterkommt?

Beide Zustände sehen von außen gleich aus. Von innen sind sie verschieden. Und sie verlangen verschiedene Antworten.

Diese Unterscheidung kann gelernt werden , durch Coaching, durch Selbstbeobachtung, durch ein Umfeld, das Bedürfnisse und Grenzen ernst nimmt, statt Bildschirmzeiten zu zählen. Menschen mit Autismus sind mehr als ihre Diagnose, und Erwachsene mit ADHS sind mehr als ihre Symptome. Ein gesunder Umgang mit digitalen Medien folgt aus Selbstkenntnis , nicht aus Verboten.


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Autismus und ADHS, Masking und der Versuch, in die Welt zu passen, führen zu Burnout. Medienkonsum ist dabei mal Symptom, mal Lösung , und wann er zur Mediensucht führen kann, Was im Alltag hilft.

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Derselbe Mensch. Derselbe Bildschirm. Zwei völlig verschiedene Nervensystemzustände.

Einmal scrollt er, weil er eine unangenehme Aufgabe nicht starten kann und sein Gehirn im Leerlauf nach einem Dopaminimpuls sucht, der den Startknopf drückt. Ein anderes Mal scrollt er, weil er nach acht Stunden Masking, Reizfilterung und sozialer Anpassung so erschöpft ist, dass echte Stille unerträglicher wäre als jede Stimulation.

Beide Male sieht es von außen gleich aus. Neurobiologisch ist es das Gegenteil.

Genau hier versagen gängige Vorstellungen über Bildschirmzeit, digitale Gewohnheiten und „Brain Rot“: Sie bedenken zwei entgegengesetzte Zustände mit derselben Antwort: weniger Bildschirm. Mehr Disziplin. Das stimmt für neurotypische Erwachsene. Für Erwachsene mit Autismus, ADHS oder beidem ist es schlicht falsch  und im schlechteren Fall ein weiterer Stressor in einem Alltag, der ohnehin schon zu viel verlangt.

TL;DR

·         Burnout bei Autismus und ADHS entsteht durch jahrelangen Konflikt zwischen äußeren Erwartungen und den eigenen neurologischen Kapazitäten , Masking ist der zentrale, meist unsichtbare Treiber.

·         Digitale Medien erfüllen je nach Nervensystemzustand entgegengesetzte Funktionen: Vermeidung bei Hyperarousal, Überbrückung bei Aktivierungserschöpfung.

·         Die Kompetenz, die AuDHS-Erwachsene brauchen, ist Selbstwahrnehmung , nicht Verbot.

·         Das Risiko liegt nicht im Bildschirm, sondern darin, wenn der Bildschirm die einzige verbliebene Regulationsstrategie ist.

Was AuDHS-Burnout von anderen Erschöpfungszuständen unterscheidet

Burnout bei ADHS und Autismus ist kein Burnout im arbeitsmedizinischen Standardsinn. Er entsteht nicht durch Arbeitsbelastungen, Überstunden oder schlechte Führung. Er entsteht durch das dauerhafte Missverhältnis zwischen dem, was die neurotypische Gesellschaft als selbstverständlich voraussetzt, und dem, was ein AuDHS-Nervensystem dafür aufwenden muss.

Menschen mit Autismus verarbeiten visuelle Reize, akustische Eindrücke und soziale Signale mit höherer Intensität. Das Autismus-System verarbeitet diese Eindrücke aktiv, nicht passiv. Jede Begegnung, jedes Meeting, jeder Einkauf ist ein Regulationsakt. ADHS kämpft parallel gegen eine strukturell instabile Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation.

Zugleich versuchen Betroffene häufig schon seit der Kindheit, ihr Verhalten und ihre Reaktionen an die neurotypische Gesellschaft anzupassen , nicht aus freiem Willen, sondern weil soziales Überleben davon abhing. Das bedeutet chronischen Stress, der sich über Jahre aufschichtet, bis die Reserven aufgebraucht sind.

Masking: Was es kostet, unsichtbar zu funktionieren

Masking ist die am häufigsten unterschätzte Erschöpfungsquelle bei AuDHS (und nicht nur dort). Betroffene lernen früh, untypische Verhaltensweisen zu unterdrücken, neurotypische Kommunikation zu imitieren, Blickkontakt zu erzwingen, Reaktionen zu verzögern. Von außen wirkt das wie Kompetenz. Neurobiologisch ist es für Betroffene extrem anstrengend , und zwar dauerhaft, nicht gelegentlich.

Je besser Masking funktioniert, umso weniger Anerkennung von nahestehenden Mitmenschen gibt es. Wer unauffällig wirkt, gilt als stabil. Nahestehende und soziale Missverständnisse sind deshalb ein weiterer Stressor: „Du siehst doch gar nicht erschöpft aus“, ist keine Entlastung.

Der Burnout brachte für viele Betroffene erst ans Licht, was lange verborgen war, dass Reserven endgültig aufgebraucht waren.

Zwei Zustände, ein Bildschirm , der entscheidende Unterschied

Digitale Medien erfüllen bei AuDHS je nach Erschöpfungszustand völlig verschiedene Funktionen. Wer das nicht unterscheidet, empfiehlt in beiden Fällen dasselbe  und liegt in einem Fall systematisch falsch.

Zustand 1: Hyperarousal und Vermeidung

Der Rennmotor des ADHS-Gehirns kämpft mit einer biologischen Zündungsfalle: Wenn die Exekutivfunktion nicht anspringt, verweigert das Gehirn die Initiierung schwieriger Aufgaben. Endloses Scrollen ist in diesem Zustand tatsächlich ein Problem. Das Nervensystem sucht einen Dopaminimpuls, der den Start ermöglicht, und findet ihn nicht, weil der Feed zu fragmentiert ist, um echte Aktivierung zu erzeugen.

App-Hopping , das sekundenschnelle Wechseln zwischen Anwendungen , ist die digitale Entsprechung motorischer Hyperaktivität. Das Arbeitsgedächtnis, bei ADHS ohnehin eingeschränkt, wird durch ständige Kontextwechsel vollständig aufgezehrt. Dopamin-Binging durch hochintensiven Inhalt verschiebt die Reizschwelle nach oben: Alltägliche Anforderungen , Haushalt, Behördenkommunikation, ein einfaches Telefonat  werden subjektiv unerträglich schwer zu starten.

In diesem Zustand hat stimmt es: Der Bildschirm verstärkt das Problem.

Zustand 2: Aktivierungserschöpfung

Das ist der Zustand, den neurotypische Wellness-Ratgeber nicht kennen  und deshalb nicht adressieren können.

Aktivierungserschöpfung bedeutet: fertig und gleichzeitig unter Strom. Das Nervensystem ist erschöpft, aber nicht heruntergeregelt. Es hat keine Kapazität mehr für Anforderungen  und gleichzeitig keine Kapazität für echte Stille. Wer nach einem langen Tag voll Masking, Reizüberflutung und sozialer Anpassungsleistung in diesem Zustand ist, erlebt Ruhe nicht als Erholung, sondern als unerträgliche Leere.

„Mach einen Spaziergang.“ „Meditiere.“ „Leg das Handy weg und lies ein Buch.“ Das sind Aktivitäten, die Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung und Entscheidungen verlangen. Für ein Nervensystem in Aktivierungserschöpfung sind das keine Erholungsangebote. Es sind weitere Anforderungen.

Digitale Medien liefern in diesem Zustand, was das Nervensystem braucht: dosierbare, kontrollierbare, pausierbare Stimulation ohne sozialen Druck. Kein Blickkontakt, keine Erwartungen, keine Interpretation von Körpersprache. Reize, die konsumiert werden können, ohne dabei regulieren zu müssen. Passives Schauen ist dann keine Dissoziation , es ist Überbrückung. Das Nervensystem stabilisiert sich, bis es tatsächlich herunterkommt.

In diesem Zustand ist der gängige Rat nicht nur falsch , es ist kontraproduktiv.

Reizüberflutung und Audioinput: Auch hier gilt der Unterschied

Dauerhafter Audioinput (Podcasts, Musik, Hintergrundvideos) wird im üblichen Diskurs als Erschöpfungsverstärker gewertet. Das stimmt in manchen Situationen. Für AuDHS ist Hintergrundaudio jedoch aktive Reizregulation: Es dämpft den chaotischen inneren Monolog, schafft einen handhabbaren Kanal und verhindert, dass das Gehirn sich in unkontrollierten Gedankenspiralen verliert.

Die Fragen lauten: Welche Funktion erfüllt der Audioinput gerade? Anker oder Betäubung? Ist er selbstkontrolliert? Das erfordert Selbstwahrnehmung , kein pauschales Verbot.

Ähnliches gilt für spätnächtliche Bildschirmnutzung. Das AuDHS-Nervensystem hat häufig eine verzögerte innere Uhr. Die Nacht ist oft der einzige Zeitraum ohne externe Anforderungen. Wer das als Disziplinproblem rahmt, ignoriert, dass Schlafstörungen bei AuDHS eine neurobiologische Grundlage haben , und dass der Griff zum Bildschirm nachts dieselbe Funktion erfüllt wie tagsüber: das Nervensystem auf einem erträglichen Niveau halten, bis der Schlaf kommt.

Das tatsächliche Risiko: Wenn der Bildschirm die einzige Strategie ist

Das Risiko digitaler Medien bei AuDHS liegt nicht in der Nutzung an sich. Es liegt in der Verengung. Wenn übermäßiger Medienkonsum die einzige verbliebene Regulationsstrategie ist , weil alle anderen durch Erschöpfung, mangelnde Diagnostik oder fehlende Unterstützung weggefallen sind , dann kann er zur Mediensucht führen.

Das ist kein Argument gegen Bildschirmzeit. Es ist ein Argument für ein breiteres Repertoire an Regulationsstrategien und für ein Umfeld, das Betroffene dabei unterstützt, dieses Repertoire aufzubauen. Die Schwierigkeiten im Alltag, die kaum mehr vorhandene Belastbarkeit bei äußeren Reizen, die starken Konzentrations- und Gedächtnisprobleme – all das sind Zeichen eines unterversorgten Nervensystems, keine Charaktermängel.

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