AuDHS bei Frauen: ADHS und Autismus, Burnout verstehen

AuDHS bei Frauen: ADHS und Autismus, Burnout verstehen

AuDHS bei Frauen

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Feb 9, 2026

eine frau sitzt auf einem Sessel, in einem büro
eine frau sitzt auf einem Sessel, in einem büro

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AuDHS bei Frauen: ADHS und Autismus, Burnout und andere Symptome werden oft übersehen. Mehr über ADHS und Autismus und ihre Überschneidungen.

Die übersehene Gruppe: AuDHS bei Frauen – warum die Diagnose so oft zu spät kommt

Sie haben Ihr ganzes Leben lang funktioniert, und trotzdem kostet Sie jeder Tag enorme Kraft? Sie galten als „sensibel", „verträumt" oder „zu emotional", aber nie als jemand mit einer neurodivergenten Neurobiologie? Dann gehören Sie möglicherweise zu den vielen Frauen, deren AuDHS erst im Erwachsenenalter erkannt wird. AuDHS bei Frauen, das gleichzeitige Vorliegen von Autismus und ADHS, ist eines der am stärksten unterdiagnostizierten Phänomene in der Psychiatrie. Nicht, weil Frauen seltener betroffen wären, sondern weil ihre Symptome anders aussehen als das, wonach gesucht wird.

🧠 Ein Hinweis zu unserem Design (neuroinklusives Lesen)

Wir wissen, dass lange Texte für neurodivergente Gehirne oft anstrengend sind. Deshalb ist dieser Artikel barrierefrei gestaltet:

·         TL;DR: Eine Zusammenfassung finden Sie direkt hierunter.

·         Scanbarkeit: Wichtige Begriffe sind fett gedruckt, damit Sie die Kernaussagen auf einen Blick erfassen.

·         Klarheit: Kurze Absätze, keine Textwüsten.

TL;DR (Das Wichtigste in Kürze):

·         AuDHS bei Frauen zeigt sich häufig nach innen: als Tagträumerei, soziale Erschöpfung, innere Unruhe und chronische Überforderung, statt als sichtbare Hyperaktivität oder offensichtliche soziale Auffälligkeit.

·         Mädchen mit AuDHS fallen selten auf, weil sie sich anpassen, statt zu stören. Sie tragen eine doppelte Maske, sowohl autistische als auch ADHS-typische Züge werden verborgen.

·         Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen wird häufig als Borderline-Persönlichkeitsstörung oder bipolare Störung fehldiagnostiziert.

·         Hormone beeinflussen AuDHS-Symptome direkt: Östrogen moduliert das Dopaminsystem und die sensorische Schwelle. Deshalb schwankt die gesamte Symptombelastung mit dem Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren.

·         Eine späte Diagnose ist kein Versagen, sie ist die Folge eines Systems, das AuDHS bei Frauen systematisch übersieht.

Warum wird AuDHS bei Frauen so häufig übersehen?

Wenn Experten an Autismus denken, haben sie meist ein bestimmtes Bild im Kopf, und wenn sie an ADHS denken, ein anderes. Beide Bilder sind männlich geprägt. Der autistische Prototyp: ein Junge, der sich für Fahrpläne interessiert und keinen Blickkontakt hält. Der ADHS-Prototyp: ein Junge, der nicht stillsitzen kann und den Unterricht stört. Frauen mit AuDHS passen in keines dieser Bilder, und fallen deshalb doppelt durch das diagnostische Raster.

Das Problem beginnt bei den Diagnosekriterien selbst. Sowohl die Autismus- als auch die ADHS-Forschung stützte sich jahrzehntelang auf überwiegend männliche Stichproben. Die Verhaltensmarker, die daraus abgeleitet wurden, sind keine geschlechtsneutralen Symptome. Sie bilden männlich kodierte Ausdrucksformen neurologischer Zustände ab, die sich bei Mädchen und Frauen grundlegend anders darstellen können.

Hinzu kommt eine Besonderheit bei AuDHS: Autismus und ADHS können sich gegenseitig maskieren. Die ADHS-bedingte Spontaneität und soziale Impulsivität kann den autistischen Eindruck abschwächen. Die Frau wirkt „gesellig", obwohl soziale Interaktion sie massiv erschöpft. Umgekehrt kann die autistische Strukturbedürftigkeit die ADHS-typische Desorganisation kompensieren: Die Frau wirkt „organisiert", obwohl sie abends erschöpft zusammenbricht. Bei Frauen, die zusätzlich gelernt haben, ihre Schwierigkeiten nach außen unsichtbar zu machen, wird diese doppelte Maskierung nahezu perfekt, und nahezu unsichtbar für Diagnostiker.

Das „brave" Kind: Wie Mädchen mit AuDHS durch jedes Raster fallen

Der sogenannte Gender Diagnostic Gap ist bei AuDHS noch ausgeprägter als bei den Einzeldiagnosen. Bei ADHS allein liegt das Geschlechterverhältnis in klinischen Stichproben bei etwa 3:1 bis 4:1 zugunsten von Jungen. Bei Autismus bei bis zu 4:1. Bei AuDHS potenziert sich dieser Effekt: Die Schnittmenge beider Diagnosen bei Frauen ist das am stärksten unterrepräsentierte Feld der gesamten neurodivergenten Diagnostik.

Mädchen mit AuDHS entwickeln früh eine doppelte Kompensationsstrategie. Der autistische Anteil lernt, soziale Skripte auswendig zu kennen, Mimik und Gestik anderer zu imitieren und Blickkontakt zu erzwingen. Der ADHS-Anteil lernt, die innere Unruhe zu unterdrücken, die Impulsivität zu zügeln und die Vergesslichkeit durch obsessives Listenschreiben zu kompensieren. Von außen sieht das Ergebnis aus wie ein „normales", vielleicht etwas stilles oder empfindliches Mädchen. Von innen fühlt es sich an wie ein Dauerjob ohne Pause.

Lehrer, die zentralen Gatekeeper für diagnostische Überweisungen, erkennen expansives Verhalten zuverlässig. Ein Kind, das den Unterricht stört, löst eine Reaktion des Systems aus. Ein Kind, das still kämpft, das sich unter dem Tisch die Nägel blutig knibbelt (Stimming), das in der Pause alleine dasteht, weil die Reize der Schulhof-Dynamik zu viel sind, das seine Hausaufgaben vergisst, aber niemanden stört. Das Kind wird als „schüchtern", „empfindlich" oder „verträumt" eingeordnet. Die Symptome von AuDHS sind da, aber sie passen nicht in das Raster, nach dem gesucht wird.

Wie zeigt sich AuDHS bei Frauen im Erwachsenenalter?

Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst mit 30, 40 oder 50 Jahren, oft nachdem sie jahrelang Symptome hatten, die sie sich selbst nicht erklären konnten und für die sie eine ganze Sammlung an Fehldiagnosen angehäuft haben. Die Präsentation von AuDHS bei erwachsenen Frauen unterscheidet sich deutlich von den klinischen Prototypen beider Einzeldiagnosen.

Der innere Widerspruch als Dauerbegleiter: Das Kernmerkmal von AuDHS, das Spannungsfeld zwischen dem autistischen Bedürfnis nach Routine und dem ADHS-getriebenen Verlangen nach Neuheit, nimmt bei Frauen eine spezifische Form an. Viele beschreiben das Gefühl, ständig zwischen zwei Polen hin- und hergerissen zu sein: den Wunsch, alles beim Alten zu lassen, und gleichzeitig die unerträgliche Langeweile der Wiederholung. Dieser Konflikt wird selten nach außen sichtbar. Er tobt im Inneren, und er zermürbt.

Kompensation als Überlebensstrategie: Erwachsene Frauen mit AuDHS entwickeln häufig hochkomplexe Systeme, um sowohl die autistischen als auch die ADHS-bedingten Schwierigkeiten zu verbergen. Farbkodierte Kalender für die exekutive Dysfunktion. Einstudierte Smalltalk-Skripte für die soziale Interaktion. Obsessive Routinen für die Morgenorganisation. Strategischer Rückzug nach sozialen Events, getarnt als „Introversion". Jedes dieser Systeme funktioniert, aber der Energieverbrauch ist enorm. Die Frau „schafft alles", dass sie dafür dreimal so viel Kraft aufwendet wie neurotypische Personen, ist für Außenstehende unsichtbar.

Chronische Scham und das Gefühl, grundlegend falsch zu sein: Frauen mit AuDHS berichten auffallend häufig von einem tiefsitzenden Gefühl der Unzulänglichkeit. Sie haben ihr ganzes Leben gehört, sie seien „zu viel" (zu emotional, zu intensiv, zu empfindlich) und gleichzeitig „zu wenig" (zu unorganisiert, zu vergesslich, zu langsam). Ohne die Erklärung einer AuDHS-Diagnose verinnerlichen sie diese widersprüchlichen Zuschreibungen. Das Resultat ist eine toxische Scham, die sich durch alle Lebensbereiche zieht.

Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen: Warum so oft Borderline oder bipolare Störung diagnostiziert wird

Eines der folgenreichsten diagnostischen Probleme bei AuDHS-Frauen ist die Verwechslung emotionaler Dysregulation mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder bipolarer Störung. Bei AuDHS ist emotionale Dysregulation keine Begleiterscheinung, sie ist ein zentrales Merkmal beider Bedingungen. ADHS beeinträchtigt die Fähigkeit, emotionale Reaktionen in ihrer Intensität zu modulieren. Autismus beeinträchtigt die Fähigkeit, Emotionen überhaupt zuzuordnen und zu verarbeiten (Alexithymie). Wenn beides zusammenkommt, entsteht ein Muster, das auf der Oberfläche einer Borderline-Störung täuschend ähnlich sieht.

AuDHS versus Borderline – wo liegen die Unterschiede? Bei BPS ist die emotionale Instabilität typischerweise an Beziehungsdynamiken und Verlassenheitsängste gekoppelt: Idealisierung und Entwertung, instabiles Selbstbild, Angst vor dem Verlassenwerden. Bei AuDHS hingegen sind die Auslöser spezifisch: sensorische Überflutung, Routinebrüche, exekutive Überforderung und soziale Erschöpfung. Eine unerwartete Planänderung löst einen Meltdown aus, nicht weil die Frau „überreagiert", sondern weil das autistische Nervensystem Vorhersagbarkeit braucht und das ADHS-Gehirn gleichzeitig nicht die Ressourcen hat, flexibel umzuplanen.

Auch die Verwechslung mit bipolarer Störung kommt vor: Die Phasen intensiver Produktivität und Euphorie (Hyperfokus bei ADHS) können als hypomanische Episoden fehlgedeutet werden. Die darauffolgenden Zusammenbrüche, oft autistischer Shutdown nach Reizüberflutung, werden als depressive Episoden interpretiert. Der entscheidende Unterschied: Bei bipolarer Störung dauern Episoden Tage bis Wochen und treten oft ohne externen Auslöser auf. Bei AuDHS sind die Wechsel schnell, situationsgebunden und direkt an Reizbelastung oder Energiehaushalt gekoppelt.

Die Folgen der Fehldiagnose sind gravierend: Mood Stabilizer oder atypische Antipsychotika adressieren weder das dopaminerge Defizit (ADHS) noch die sensorische Verarbeitungsproblematik (Autismus). Stimulanzien, die die ADHS-Komponente behandeln könnten, werden bei einer Borderline- oder Bipolar-Diagnose in der Regel nicht einmal in Betracht gezogen. Frauen mit unerkanntem AuDHS können so Jahre in Therapien verbringen, die an der eigentlichen Ursache vorbeigehen, oder die sogar schaden: DBT-Elemente wie „radikale Akzeptanz" können bei autistischen Frauen, die ohnehin ein Leben lang ihre Bedürfnisse unterdrückt haben, das Masking verstärken, statt es aufzulösen.

Wie beeinflussen Hormone die AuDHS-Symptome bei Frauen?

Ein Aspekt, der bei AuDHS-Frauen besonders drastische Auswirkungen hat, ist der Einfluss von Sexualhormonen auf die gesamte Symptombelastung, und zwar auf beide Komponenten gleichzeitig. Östrogen moduliert nicht nur die dopaminerge Neurotransmission (relevant für ADHS), sondern beeinflusst auch die serotonerge Aktivität und die sensorische Reizschwelle (relevant für Autismus). Das bedeutet: Hormonelle Schwankungen treffen bei AuDHS-Frauen gleich zwei Systeme.

Konkret: Östrogen erhöht die Dopamin-Synthese, verstärkt die Dopamin-Rezeptorbindung und hemmt den Dopamin-Abbau durch das Enzym COMT. Gleichzeitig moduliert es die sensorische Verarbeitung: Bei höherem Östrogenspiegel ist die Reizschwelle tendenziell höher, bei niedrigerem Östrogenspiegel sinkt sie.

Follikelphase (Tag 1–13): Östrogen steigt. Viele Frauen mit AuDHS berichten von besserer Konzentration, höherer Frustrationstoleranz und, ebenso wichtig, einer höheren sensorischen Belastbarkeit. Geräusche, Licht und soziale Reize sind leichter zu verarbeiten.

Ovulation (Tag 14): Östrogen-Peak. Klinisch berichten Betroffene von ihrer „besten Phase": höchste kognitive Leistung, stabilste Stimmung, größte Toleranz für sensorische und soziale Anforderungen.

Lutealphase (Tag 15–28): Östrogen fällt ab. Für Frauen mit AuDHS bedeutet das einen doppelten Einbruch: Die ADHS-Symptome verschärfen sich (Konzentration, Emotionsregulation, Impulsivität), und gleichzeitig sinkt die autistische Reizschwelle. Geräusche, die in der Follikelphase tolerabel waren, werden unerträglich. Kleidung, die vorher kein Problem war, wird zur Qual. Das Masking, das in der ersten Zyklushälfte noch gelang, bricht zusammen. Viele Frauen beschreiben die zweite Zyklushälfte als „eine andere Person sein".

Prämenstruelle Phase (Tag 25–28): Östrogen am Tiefpunkt. Die AuDHS-Symptomatik erreicht ihr Maximum. Hier überlagert sich die Verschlechterung häufig mit der Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), die bei Frauen mit ADHS signifikant häufiger auftritt. Bei gleichzeitigem Autismus kann die prämenstruelle Phase zu massiven Shutdowns, Meltdowns und dem völligen Zusammenbruch sozialer Funktionsfähigkeit führen.

AuDHS und Wechseljahre: Warum die Perimenopause oft ein diagnostischer Wendepunkt ist

Ein klinisch besonders relevantes Phänomen ist die Erstmanifestation oder dramatische Verschlechterung von AuDHS-Symptomen in der Perimenopause, typischerweise zwischen 40 und 55 Jahren. Der progressive Östrogenabfall führt zu einer dauerhaften Reduktion der dopaminergen Aktivität und einer dauerhaft gesenkten sensorischen Reizschwelle. Kompensationsmechanismen, die jahrzehntelang funktioniert haben, brechen zusammen, und zwar auf beiden Ebenen gleichzeitig.

Viele Frauen suchen in dieser Lebensphase erstmals psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe. Die Beschwerden werden häufig als „Wechseljahressymptome", Burnout oder Depression eingeordnet. Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, sensorische Überempfindlichkeit, emotionale Labilität, chronische Erschöpfung, sozialer Rückzug – all das passt in das Wechseljahre-Narrativ. Wenn niemand nach AuDHS fragt, wird niemand AuDHS finden.

Eine sorgfältige Befragung zur Vorgeschichte ist in diesen Fällen entscheidend: Gab es schon immer Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement? War Schule „machbar, aber unendlich anstrengend"? Gab es schon immer eine besondere sensorische Empfindlichkeit? Waren soziale Situationen schon immer erschöpfend, auch wenn es nach außen nicht so wirkte? Wenn ja, handelt es sich möglicherweise nicht um ein neues Problem, sondern um ein lebenslanges, das durch den Hormonabfall dekompensiert.

Für die Behandlung hat das direkte Konsequenzen: Die Abstimmung von Hormonersatztherapie und ADHS-Medikation kann bei AuDHS-Frauen in den Wechseljahren einen erheblichen Unterschied machen. Einige Kliniker arbeiten bereits mit zyklusadaptierter Stimulanzien-Dosierung in der Perimenopause, die Evidenzlage ist noch begrenzt, die klinische Erfahrung jedoch vielversprechend.

AuDHS bei Frauen erkennen: Worauf in der Diagnostik geachtet werden muss

Kein standardisiertes Screening-Instrument erfasst AuDHS als Gesamtbild. Autismus und ADHS werden separat diagnostiziert, und beide Verfahren haben eine eingeschränkte Sensitivität für weibliche Präsentationen. Der AQ (Autism Quotient) fragt nach Verhaltensweisen, die Frauen durch Masking verbergen. Die WURS (Wender Utah Rating Scale) fokussiert auf externalisierende ADHS-Symptome, die bei Frauen seltener die Hauptbeschwerde darstellen. Der ADOS-2 kann durch effektives Camouflaging zu falsch-negativen Ergebnissen führen.

Geschlechtersensible AuDHS-Diagnostik sollte folgende Aspekte berücksichtigen:

Zur Entwicklung muss gezielt nach „stillen" Schwierigkeiten gefragt werden. Nicht nur „Haben Sie den Unterricht gestört?", sondern: „Wie viel Energie hat Sie die Schule gekostet? Haben Sie Verhalten anderer Kinder kopiert, um sozial zu funktionieren? Hatten Sie intensive Interessen, die Sie vor anderen verborgen haben?"

Die Kompensationsstrategien sind ein zentraler diagnostischer Hinweis, und bei AuDHS-Frauen oft das sichtbare Symptom. Die entscheidende Frage ist nicht „Funktionieren Sie?", sondern „Was kostet es Sie, zu funktionieren?"

Die psychiatrische Vorgeschichte verdient besondere Aufmerksamkeit. Multiple Vordiagnosen, die klassische Kaskade aus Depression, Angststörung, Essstörung und eventuell Borderline, können ein Muster ergeben, das auf unerkanntes AuDHS hindeutet. Jede einzelne Diagnose mag für sich plausibel gewesen sein. Erst in der Zusammenschau wird die gemeinsame Grundlage sichtbar.

Die hormonelle Anamnese liefert bei Frauen oft den entscheidenden Hinweis: Gibt es zyklusabhängige Symptommuster? Wann traten Verschlechterungen erstmals auf, in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft, in der Perimenopause? Wenn die Symptomstärke mit dem Hormonspiegel korreliert, ist das ein starkes Indiz für eine dopaminerg-sensorische Grundlage.

Was hilft? Therapie und Alltagsstrategien speziell für Frauen mit AuDHS

Die Behandlung von AuDHS bei Frauen erfordert einen Ansatz, der beide Bedingungen gleichzeitig adressiert, und der die spezifische weibliche Erfahrung einbezieht.

Information als Fundament: Zu verstehen, dass der innere Widerspruch zwischen Routine und Neuheit, dass die Erschöpfung nach sozialen Situationen, dass die emotionale Intensität neurobiologische Ursachen haben, und keine Charakterschwächen sind, kann Jahrzehnte der Selbstvorwürfe auflösen. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst.

Medikamente unter Berücksichtigung des Zyklus: Stimulanzien adressieren die ADHS-Komponente und können indirekt die Gesamtbelastung reduzieren, weil verbesserte exekutive Funktionen auch das Management sensorischer Bedürfnisse erleichtern. Die Dosierung sollte dabei den hormonellen Zyklus berücksichtigen: Was in der Follikelphase die richtige Dosis ist, kann in der Lutealphase zu wenig sein. Ein offener Dialog mit Behandlern über zyklusabhängige Schwankungen ist entscheidend.

Psychotherapie: Anpassung statt Standardprotokoll. KVT kann wirksam sein, muss aber an die neurodivergente Kognition angepasst werden. Schematherapeutische Ansätze eignen sich besonders gut, um die Schemata zu bearbeiten, die durch jahrzehntelange Doppelkompensation bei AuDHS-Frauen entstehen, insbesondere das Unzulänglichkeitsschema und das Unterwerfungsschema. Achtsamkeitsbasierte Verfahren sollten mit Vorsicht eingesetzt werden: Interozeptive Aufmerksamkeit kann bei autistischen Frauen sensorisch überfluten, statt zu helfen.

Alltagsstrategien, die beide Pole bedienen: „Flexible Struktur", feste Rahmenbedingungen, innerhalb derer Variabilität möglich ist, adressiert den Kernkonflikt von AuDHS. Konkret bewährt sich für AuDHS-Frauen: sensorische Pausen bewusst einplanen (besonders in der Lutealphase), exekutive Funktionen externalisieren (visuelle Timer, Body-Doubling), Masking in sicheren Kontexten bewusst abbauen und, vielleicht am wichtigsten, den eigenen Energiehaushalt an den Zyklus anpassen, statt jeden Tag gleich viel von sich zu verlangen.

AuDHS bei Frauen in Beziehungen und Mutterschaft: Was sich verändert, wenn das System überlastet wird

Ein Aspekt, der in der klinischen Literatur unterrepräsentiert ist: die Auswirkungen von AuDHS auf Partnerschaften und die Elternrolle. Frauen mit AuDHS tragen in Beziehungen häufig eine dreifache Last: den Mental Load (Termine, Haushalt, soziale Organisation), die sensorische Verarbeitung der häuslichen Umgebung (Kindergeschrei, Unordnung, ständige Berührung) und die emotionale Arbeit in der Partnerschaft. Jede dieser Ebenen wäre für sich schon belastend, zusammen erzeugen sie ein Niveau chronischer Überforderung, das von außen nicht sichtbar ist.

Mutterschaft stellt für Frauen mit AuDHS eine besondere Herausforderung dar, weil sie Anforderungen an Exekutivfunktionen exponentiell erhöht und gleichzeitig die Ressourcen für Kompensation drastisch reduziert: Schlafmangel verschlechtert die ADHS-Symptome, die sensorische Dauerbelastung durch ein Kleinkind strapaziert das autistische Nervensystem, und die hormonelle Umstellung nach der Geburt destabilisiert das Dopaminsystem. Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst, wenn sie Mutter werden, weil die bisherigen Kompensationsstrategien unter dieser neuen Belastung zusammenbrechen und zum ersten Mal sichtbar wird, wie viel Kraft das bisherige „Funktionieren" tatsächlich gekostet hat.

Ohne das Wissen um die AuDHS-Diagnose werden die resultierenden Schwierigkeiten, Vergessen von Absprachen, emotionale Überreaktionen, Rückzugsbedürfnis, als mangelndes Interesse, Beziehungsunfähigkeit oder „Überforderung, die andere auch haben" interpretiert. Die Scham und die Selbstvorwürfe verstärken sich. Eine Diagnose verändert hier nicht die Realität, aber sie verändert das Selbstverständnis. Und das verändert alles.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Erkenntnisse zu AuDHS bei Frauen

·         AuDHS bei Frauen ist nicht seltener, es wird nur seltener erkannt. Die diagnostische Lücke ist bei der Doppeldiagnose noch größer als bei den Einzeldiagnosen ADHS oder Autismus.

·         Mädchen mit AuDHS tragen eine doppelte Maske: Sie kompensieren sowohl autistische als auch ADHS-typische Schwierigkeiten und fallen dadurch weder als „ADHS-Kind" noch als „autistisch" auf.

·         Emotionale Dysregulation ist bei AuDHS ein Kernmerkmal, wird bei Frauen aber häufig als Borderline oder bipolare Störung fehldiagnostiziert. Die Mechanismen sind fundamental verschieden: Bei AuDHS sind Auslöser sensorisch und situativ, bei BPS beziehungsdynamisch.

·         Hormone beeinflussen AuDHS doppelt: Östrogen moduliert sowohl das Dopaminsystem (ADHS) als auch die sensorische Schwelle (Autismus). Symptome schwanken mit dem Zyklus und können in der Perimenopause erstmals sichtbar werden.

·         Multiple Vordiagnosen, insbesondere die Kaskade Depression, Angststörung, Essstörung, Borderline, können auf unerkanntes AuDHS hindeuten.

·         Wirksame Therapie muss beide Bedingungen gleichzeitig adressieren, den Zyklus bei der Medikation berücksichtigen und der Frau helfen, das doppelte Masking abzubauen, statt es zu verstärken.

·         Es ist nie zu spät für eine Diagnose. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst, und der Anfang eines Lebens, in dem sie nicht mehr gegen ihre eigene Neurologie kämpfen müssen.


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Sie haben Ihr ganzes Leben lang funktioniert, und trotzdem kostet Sie jeder Tag enorme Kraft? Sie galten als „sensibel", „verträumt" oder „zu emotional", aber nie als jemand mit einer neurodivergenten Neurobiologie? Dann gehören Sie möglicherweise zu den vielen Frauen, deren AuDHS erst im Erwachsenenalter erkannt wird. AuDHS bei Frauen, das gleichzeitige Vorliegen von Autismus und ADHS, ist eines der am stärksten unterdiagnostizierten Phänomene in der Psychiatrie. Nicht, weil Frauen seltener betroffen wären, sondern weil ihre Symptome anders aussehen als das, wonach gesucht wird.

🧠 Ein Hinweis zu unserem Design (neuroinklusives Lesen)

Wir wissen, dass lange Texte für neurodivergente Gehirne oft anstrengend sind. Deshalb ist dieser Artikel barrierefrei gestaltet:

·         TL;DR: Eine Zusammenfassung finden Sie direkt hierunter.

·         Scanbarkeit: Wichtige Begriffe sind fett gedruckt, damit Sie die Kernaussagen auf einen Blick erfassen.

·         Klarheit: Kurze Absätze, keine Textwüsten.

TL;DR (Das Wichtigste in Kürze):

·         AuDHS bei Frauen zeigt sich häufig nach innen: als Tagträumerei, soziale Erschöpfung, innere Unruhe und chronische Überforderung, statt als sichtbare Hyperaktivität oder offensichtliche soziale Auffälligkeit.

·         Mädchen mit AuDHS fallen selten auf, weil sie sich anpassen, statt zu stören. Sie tragen eine doppelte Maske, sowohl autistische als auch ADHS-typische Züge werden verborgen.

·         Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen wird häufig als Borderline-Persönlichkeitsstörung oder bipolare Störung fehldiagnostiziert.

·         Hormone beeinflussen AuDHS-Symptome direkt: Östrogen moduliert das Dopaminsystem und die sensorische Schwelle. Deshalb schwankt die gesamte Symptombelastung mit dem Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren.

·         Eine späte Diagnose ist kein Versagen, sie ist die Folge eines Systems, das AuDHS bei Frauen systematisch übersieht.

Warum wird AuDHS bei Frauen so häufig übersehen?

Wenn Experten an Autismus denken, haben sie meist ein bestimmtes Bild im Kopf, und wenn sie an ADHS denken, ein anderes. Beide Bilder sind männlich geprägt. Der autistische Prototyp: ein Junge, der sich für Fahrpläne interessiert und keinen Blickkontakt hält. Der ADHS-Prototyp: ein Junge, der nicht stillsitzen kann und den Unterricht stört. Frauen mit AuDHS passen in keines dieser Bilder, und fallen deshalb doppelt durch das diagnostische Raster.

Das Problem beginnt bei den Diagnosekriterien selbst. Sowohl die Autismus- als auch die ADHS-Forschung stützte sich jahrzehntelang auf überwiegend männliche Stichproben. Die Verhaltensmarker, die daraus abgeleitet wurden, sind keine geschlechtsneutralen Symptome. Sie bilden männlich kodierte Ausdrucksformen neurologischer Zustände ab, die sich bei Mädchen und Frauen grundlegend anders darstellen können.

Hinzu kommt eine Besonderheit bei AuDHS: Autismus und ADHS können sich gegenseitig maskieren. Die ADHS-bedingte Spontaneität und soziale Impulsivität kann den autistischen Eindruck abschwächen. Die Frau wirkt „gesellig", obwohl soziale Interaktion sie massiv erschöpft. Umgekehrt kann die autistische Strukturbedürftigkeit die ADHS-typische Desorganisation kompensieren: Die Frau wirkt „organisiert", obwohl sie abends erschöpft zusammenbricht. Bei Frauen, die zusätzlich gelernt haben, ihre Schwierigkeiten nach außen unsichtbar zu machen, wird diese doppelte Maskierung nahezu perfekt, und nahezu unsichtbar für Diagnostiker.

Das „brave" Kind: Wie Mädchen mit AuDHS durch jedes Raster fallen

Der sogenannte Gender Diagnostic Gap ist bei AuDHS noch ausgeprägter als bei den Einzeldiagnosen. Bei ADHS allein liegt das Geschlechterverhältnis in klinischen Stichproben bei etwa 3:1 bis 4:1 zugunsten von Jungen. Bei Autismus bei bis zu 4:1. Bei AuDHS potenziert sich dieser Effekt: Die Schnittmenge beider Diagnosen bei Frauen ist das am stärksten unterrepräsentierte Feld der gesamten neurodivergenten Diagnostik.

Mädchen mit AuDHS entwickeln früh eine doppelte Kompensationsstrategie. Der autistische Anteil lernt, soziale Skripte auswendig zu kennen, Mimik und Gestik anderer zu imitieren und Blickkontakt zu erzwingen. Der ADHS-Anteil lernt, die innere Unruhe zu unterdrücken, die Impulsivität zu zügeln und die Vergesslichkeit durch obsessives Listenschreiben zu kompensieren. Von außen sieht das Ergebnis aus wie ein „normales", vielleicht etwas stilles oder empfindliches Mädchen. Von innen fühlt es sich an wie ein Dauerjob ohne Pause.

Lehrer, die zentralen Gatekeeper für diagnostische Überweisungen, erkennen expansives Verhalten zuverlässig. Ein Kind, das den Unterricht stört, löst eine Reaktion des Systems aus. Ein Kind, das still kämpft, das sich unter dem Tisch die Nägel blutig knibbelt (Stimming), das in der Pause alleine dasteht, weil die Reize der Schulhof-Dynamik zu viel sind, das seine Hausaufgaben vergisst, aber niemanden stört. Das Kind wird als „schüchtern", „empfindlich" oder „verträumt" eingeordnet. Die Symptome von AuDHS sind da, aber sie passen nicht in das Raster, nach dem gesucht wird.

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Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst mit 30, 40 oder 50 Jahren, oft nachdem sie jahrelang Symptome hatten, die sie sich selbst nicht erklären konnten und für die sie eine ganze Sammlung an Fehldiagnosen angehäuft haben. Die Präsentation von AuDHS bei erwachsenen Frauen unterscheidet sich deutlich von den klinischen Prototypen beider Einzeldiagnosen.

Der innere Widerspruch als Dauerbegleiter: Das Kernmerkmal von AuDHS, das Spannungsfeld zwischen dem autistischen Bedürfnis nach Routine und dem ADHS-getriebenen Verlangen nach Neuheit, nimmt bei Frauen eine spezifische Form an. Viele beschreiben das Gefühl, ständig zwischen zwei Polen hin- und hergerissen zu sein: den Wunsch, alles beim Alten zu lassen, und gleichzeitig die unerträgliche Langeweile der Wiederholung. Dieser Konflikt wird selten nach außen sichtbar. Er tobt im Inneren, und er zermürbt.

Kompensation als Überlebensstrategie: Erwachsene Frauen mit AuDHS entwickeln häufig hochkomplexe Systeme, um sowohl die autistischen als auch die ADHS-bedingten Schwierigkeiten zu verbergen. Farbkodierte Kalender für die exekutive Dysfunktion. Einstudierte Smalltalk-Skripte für die soziale Interaktion. Obsessive Routinen für die Morgenorganisation. Strategischer Rückzug nach sozialen Events, getarnt als „Introversion". Jedes dieser Systeme funktioniert, aber der Energieverbrauch ist enorm. Die Frau „schafft alles", dass sie dafür dreimal so viel Kraft aufwendet wie neurotypische Personen, ist für Außenstehende unsichtbar.

Chronische Scham und das Gefühl, grundlegend falsch zu sein: Frauen mit AuDHS berichten auffallend häufig von einem tiefsitzenden Gefühl der Unzulänglichkeit. Sie haben ihr ganzes Leben gehört, sie seien „zu viel" (zu emotional, zu intensiv, zu empfindlich) und gleichzeitig „zu wenig" (zu unorganisiert, zu vergesslich, zu langsam). Ohne die Erklärung einer AuDHS-Diagnose verinnerlichen sie diese widersprüchlichen Zuschreibungen. Das Resultat ist eine toxische Scham, die sich durch alle Lebensbereiche zieht.

Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen: Warum so oft Borderline oder bipolare Störung diagnostiziert wird

Eines der folgenreichsten diagnostischen Probleme bei AuDHS-Frauen ist die Verwechslung emotionaler Dysregulation mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder bipolarer Störung. Bei AuDHS ist emotionale Dysregulation keine Begleiterscheinung, sie ist ein zentrales Merkmal beider Bedingungen. ADHS beeinträchtigt die Fähigkeit, emotionale Reaktionen in ihrer Intensität zu modulieren. Autismus beeinträchtigt die Fähigkeit, Emotionen überhaupt zuzuordnen und zu verarbeiten (Alexithymie). Wenn beides zusammenkommt, entsteht ein Muster, das auf der Oberfläche einer Borderline-Störung täuschend ähnlich sieht.

AuDHS versus Borderline – wo liegen die Unterschiede? Bei BPS ist die emotionale Instabilität typischerweise an Beziehungsdynamiken und Verlassenheitsängste gekoppelt: Idealisierung und Entwertung, instabiles Selbstbild, Angst vor dem Verlassenwerden. Bei AuDHS hingegen sind die Auslöser spezifisch: sensorische Überflutung, Routinebrüche, exekutive Überforderung und soziale Erschöpfung. Eine unerwartete Planänderung löst einen Meltdown aus, nicht weil die Frau „überreagiert", sondern weil das autistische Nervensystem Vorhersagbarkeit braucht und das ADHS-Gehirn gleichzeitig nicht die Ressourcen hat, flexibel umzuplanen.

Auch die Verwechslung mit bipolarer Störung kommt vor: Die Phasen intensiver Produktivität und Euphorie (Hyperfokus bei ADHS) können als hypomanische Episoden fehlgedeutet werden. Die darauffolgenden Zusammenbrüche, oft autistischer Shutdown nach Reizüberflutung, werden als depressive Episoden interpretiert. Der entscheidende Unterschied: Bei bipolarer Störung dauern Episoden Tage bis Wochen und treten oft ohne externen Auslöser auf. Bei AuDHS sind die Wechsel schnell, situationsgebunden und direkt an Reizbelastung oder Energiehaushalt gekoppelt.

Die Folgen der Fehldiagnose sind gravierend: Mood Stabilizer oder atypische Antipsychotika adressieren weder das dopaminerge Defizit (ADHS) noch die sensorische Verarbeitungsproblematik (Autismus). Stimulanzien, die die ADHS-Komponente behandeln könnten, werden bei einer Borderline- oder Bipolar-Diagnose in der Regel nicht einmal in Betracht gezogen. Frauen mit unerkanntem AuDHS können so Jahre in Therapien verbringen, die an der eigentlichen Ursache vorbeigehen, oder die sogar schaden: DBT-Elemente wie „radikale Akzeptanz" können bei autistischen Frauen, die ohnehin ein Leben lang ihre Bedürfnisse unterdrückt haben, das Masking verstärken, statt es aufzulösen.

Wie beeinflussen Hormone die AuDHS-Symptome bei Frauen?

Ein Aspekt, der bei AuDHS-Frauen besonders drastische Auswirkungen hat, ist der Einfluss von Sexualhormonen auf die gesamte Symptombelastung, und zwar auf beide Komponenten gleichzeitig. Östrogen moduliert nicht nur die dopaminerge Neurotransmission (relevant für ADHS), sondern beeinflusst auch die serotonerge Aktivität und die sensorische Reizschwelle (relevant für Autismus). Das bedeutet: Hormonelle Schwankungen treffen bei AuDHS-Frauen gleich zwei Systeme.

Konkret: Östrogen erhöht die Dopamin-Synthese, verstärkt die Dopamin-Rezeptorbindung und hemmt den Dopamin-Abbau durch das Enzym COMT. Gleichzeitig moduliert es die sensorische Verarbeitung: Bei höherem Östrogenspiegel ist die Reizschwelle tendenziell höher, bei niedrigerem Östrogenspiegel sinkt sie.

Follikelphase (Tag 1–13): Östrogen steigt. Viele Frauen mit AuDHS berichten von besserer Konzentration, höherer Frustrationstoleranz und, ebenso wichtig, einer höheren sensorischen Belastbarkeit. Geräusche, Licht und soziale Reize sind leichter zu verarbeiten.

Ovulation (Tag 14): Östrogen-Peak. Klinisch berichten Betroffene von ihrer „besten Phase": höchste kognitive Leistung, stabilste Stimmung, größte Toleranz für sensorische und soziale Anforderungen.

Lutealphase (Tag 15–28): Östrogen fällt ab. Für Frauen mit AuDHS bedeutet das einen doppelten Einbruch: Die ADHS-Symptome verschärfen sich (Konzentration, Emotionsregulation, Impulsivität), und gleichzeitig sinkt die autistische Reizschwelle. Geräusche, die in der Follikelphase tolerabel waren, werden unerträglich. Kleidung, die vorher kein Problem war, wird zur Qual. Das Masking, das in der ersten Zyklushälfte noch gelang, bricht zusammen. Viele Frauen beschreiben die zweite Zyklushälfte als „eine andere Person sein".

Prämenstruelle Phase (Tag 25–28): Östrogen am Tiefpunkt. Die AuDHS-Symptomatik erreicht ihr Maximum. Hier überlagert sich die Verschlechterung häufig mit der Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), die bei Frauen mit ADHS signifikant häufiger auftritt. Bei gleichzeitigem Autismus kann die prämenstruelle Phase zu massiven Shutdowns, Meltdowns und dem völligen Zusammenbruch sozialer Funktionsfähigkeit führen.

AuDHS und Wechseljahre: Warum die Perimenopause oft ein diagnostischer Wendepunkt ist

Ein klinisch besonders relevantes Phänomen ist die Erstmanifestation oder dramatische Verschlechterung von AuDHS-Symptomen in der Perimenopause, typischerweise zwischen 40 und 55 Jahren. Der progressive Östrogenabfall führt zu einer dauerhaften Reduktion der dopaminergen Aktivität und einer dauerhaft gesenkten sensorischen Reizschwelle. Kompensationsmechanismen, die jahrzehntelang funktioniert haben, brechen zusammen, und zwar auf beiden Ebenen gleichzeitig.

Viele Frauen suchen in dieser Lebensphase erstmals psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe. Die Beschwerden werden häufig als „Wechseljahressymptome", Burnout oder Depression eingeordnet. Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, sensorische Überempfindlichkeit, emotionale Labilität, chronische Erschöpfung, sozialer Rückzug – all das passt in das Wechseljahre-Narrativ. Wenn niemand nach AuDHS fragt, wird niemand AuDHS finden.

Eine sorgfältige Befragung zur Vorgeschichte ist in diesen Fällen entscheidend: Gab es schon immer Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement? War Schule „machbar, aber unendlich anstrengend"? Gab es schon immer eine besondere sensorische Empfindlichkeit? Waren soziale Situationen schon immer erschöpfend, auch wenn es nach außen nicht so wirkte? Wenn ja, handelt es sich möglicherweise nicht um ein neues Problem, sondern um ein lebenslanges, das durch den Hormonabfall dekompensiert.

Für die Behandlung hat das direkte Konsequenzen: Die Abstimmung von Hormonersatztherapie und ADHS-Medikation kann bei AuDHS-Frauen in den Wechseljahren einen erheblichen Unterschied machen. Einige Kliniker arbeiten bereits mit zyklusadaptierter Stimulanzien-Dosierung in der Perimenopause, die Evidenzlage ist noch begrenzt, die klinische Erfahrung jedoch vielversprechend.

AuDHS bei Frauen erkennen: Worauf in der Diagnostik geachtet werden muss

Kein standardisiertes Screening-Instrument erfasst AuDHS als Gesamtbild. Autismus und ADHS werden separat diagnostiziert, und beide Verfahren haben eine eingeschränkte Sensitivität für weibliche Präsentationen. Der AQ (Autism Quotient) fragt nach Verhaltensweisen, die Frauen durch Masking verbergen. Die WURS (Wender Utah Rating Scale) fokussiert auf externalisierende ADHS-Symptome, die bei Frauen seltener die Hauptbeschwerde darstellen. Der ADOS-2 kann durch effektives Camouflaging zu falsch-negativen Ergebnissen führen.

Geschlechtersensible AuDHS-Diagnostik sollte folgende Aspekte berücksichtigen:

Zur Entwicklung muss gezielt nach „stillen" Schwierigkeiten gefragt werden. Nicht nur „Haben Sie den Unterricht gestört?", sondern: „Wie viel Energie hat Sie die Schule gekostet? Haben Sie Verhalten anderer Kinder kopiert, um sozial zu funktionieren? Hatten Sie intensive Interessen, die Sie vor anderen verborgen haben?"

Die Kompensationsstrategien sind ein zentraler diagnostischer Hinweis, und bei AuDHS-Frauen oft das sichtbare Symptom. Die entscheidende Frage ist nicht „Funktionieren Sie?", sondern „Was kostet es Sie, zu funktionieren?"

Die psychiatrische Vorgeschichte verdient besondere Aufmerksamkeit. Multiple Vordiagnosen, die klassische Kaskade aus Depression, Angststörung, Essstörung und eventuell Borderline, können ein Muster ergeben, das auf unerkanntes AuDHS hindeutet. Jede einzelne Diagnose mag für sich plausibel gewesen sein. Erst in der Zusammenschau wird die gemeinsame Grundlage sichtbar.

Die hormonelle Anamnese liefert bei Frauen oft den entscheidenden Hinweis: Gibt es zyklusabhängige Symptommuster? Wann traten Verschlechterungen erstmals auf, in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft, in der Perimenopause? Wenn die Symptomstärke mit dem Hormonspiegel korreliert, ist das ein starkes Indiz für eine dopaminerg-sensorische Grundlage.

Was hilft? Therapie und Alltagsstrategien speziell für Frauen mit AuDHS

Die Behandlung von AuDHS bei Frauen erfordert einen Ansatz, der beide Bedingungen gleichzeitig adressiert, und der die spezifische weibliche Erfahrung einbezieht.

Information als Fundament: Zu verstehen, dass der innere Widerspruch zwischen Routine und Neuheit, dass die Erschöpfung nach sozialen Situationen, dass die emotionale Intensität neurobiologische Ursachen haben, und keine Charakterschwächen sind, kann Jahrzehnte der Selbstvorwürfe auflösen. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst.

Medikamente unter Berücksichtigung des Zyklus: Stimulanzien adressieren die ADHS-Komponente und können indirekt die Gesamtbelastung reduzieren, weil verbesserte exekutive Funktionen auch das Management sensorischer Bedürfnisse erleichtern. Die Dosierung sollte dabei den hormonellen Zyklus berücksichtigen: Was in der Follikelphase die richtige Dosis ist, kann in der Lutealphase zu wenig sein. Ein offener Dialog mit Behandlern über zyklusabhängige Schwankungen ist entscheidend.

Psychotherapie: Anpassung statt Standardprotokoll. KVT kann wirksam sein, muss aber an die neurodivergente Kognition angepasst werden. Schematherapeutische Ansätze eignen sich besonders gut, um die Schemata zu bearbeiten, die durch jahrzehntelange Doppelkompensation bei AuDHS-Frauen entstehen, insbesondere das Unzulänglichkeitsschema und das Unterwerfungsschema. Achtsamkeitsbasierte Verfahren sollten mit Vorsicht eingesetzt werden: Interozeptive Aufmerksamkeit kann bei autistischen Frauen sensorisch überfluten, statt zu helfen.

Alltagsstrategien, die beide Pole bedienen: „Flexible Struktur", feste Rahmenbedingungen, innerhalb derer Variabilität möglich ist, adressiert den Kernkonflikt von AuDHS. Konkret bewährt sich für AuDHS-Frauen: sensorische Pausen bewusst einplanen (besonders in der Lutealphase), exekutive Funktionen externalisieren (visuelle Timer, Body-Doubling), Masking in sicheren Kontexten bewusst abbauen und, vielleicht am wichtigsten, den eigenen Energiehaushalt an den Zyklus anpassen, statt jeden Tag gleich viel von sich zu verlangen.

AuDHS bei Frauen in Beziehungen und Mutterschaft: Was sich verändert, wenn das System überlastet wird

Ein Aspekt, der in der klinischen Literatur unterrepräsentiert ist: die Auswirkungen von AuDHS auf Partnerschaften und die Elternrolle. Frauen mit AuDHS tragen in Beziehungen häufig eine dreifache Last: den Mental Load (Termine, Haushalt, soziale Organisation), die sensorische Verarbeitung der häuslichen Umgebung (Kindergeschrei, Unordnung, ständige Berührung) und die emotionale Arbeit in der Partnerschaft. Jede dieser Ebenen wäre für sich schon belastend, zusammen erzeugen sie ein Niveau chronischer Überforderung, das von außen nicht sichtbar ist.

Mutterschaft stellt für Frauen mit AuDHS eine besondere Herausforderung dar, weil sie Anforderungen an Exekutivfunktionen exponentiell erhöht und gleichzeitig die Ressourcen für Kompensation drastisch reduziert: Schlafmangel verschlechtert die ADHS-Symptome, die sensorische Dauerbelastung durch ein Kleinkind strapaziert das autistische Nervensystem, und die hormonelle Umstellung nach der Geburt destabilisiert das Dopaminsystem. Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst, wenn sie Mutter werden, weil die bisherigen Kompensationsstrategien unter dieser neuen Belastung zusammenbrechen und zum ersten Mal sichtbar wird, wie viel Kraft das bisherige „Funktionieren" tatsächlich gekostet hat.

Ohne das Wissen um die AuDHS-Diagnose werden die resultierenden Schwierigkeiten, Vergessen von Absprachen, emotionale Überreaktionen, Rückzugsbedürfnis, als mangelndes Interesse, Beziehungsunfähigkeit oder „Überforderung, die andere auch haben" interpretiert. Die Scham und die Selbstvorwürfe verstärken sich. Eine Diagnose verändert hier nicht die Realität, aber sie verändert das Selbstverständnis. Und das verändert alles.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Erkenntnisse zu AuDHS bei Frauen

·         AuDHS bei Frauen ist nicht seltener, es wird nur seltener erkannt. Die diagnostische Lücke ist bei der Doppeldiagnose noch größer als bei den Einzeldiagnosen ADHS oder Autismus.

·         Mädchen mit AuDHS tragen eine doppelte Maske: Sie kompensieren sowohl autistische als auch ADHS-typische Schwierigkeiten und fallen dadurch weder als „ADHS-Kind" noch als „autistisch" auf.

·         Emotionale Dysregulation ist bei AuDHS ein Kernmerkmal, wird bei Frauen aber häufig als Borderline oder bipolare Störung fehldiagnostiziert. Die Mechanismen sind fundamental verschieden: Bei AuDHS sind Auslöser sensorisch und situativ, bei BPS beziehungsdynamisch.

·         Hormone beeinflussen AuDHS doppelt: Östrogen moduliert sowohl das Dopaminsystem (ADHS) als auch die sensorische Schwelle (Autismus). Symptome schwanken mit dem Zyklus und können in der Perimenopause erstmals sichtbar werden.

·         Multiple Vordiagnosen, insbesondere die Kaskade Depression, Angststörung, Essstörung, Borderline, können auf unerkanntes AuDHS hindeuten.

·         Wirksame Therapie muss beide Bedingungen gleichzeitig adressieren, den Zyklus bei der Medikation berücksichtigen und der Frau helfen, das doppelte Masking abzubauen, statt es zu verstärken.

·         Es ist nie zu spät für eine Diagnose. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst, und der Anfang eines Lebens, in dem sie nicht mehr gegen ihre eigene Neurologie kämpfen müssen.


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AuDHS bei Frauen: ADHS und Autismus, Burnout und andere Symptome werden oft übersehen. Mehr über ADHS und Autismus und ihre Überschneidungen.

Die übersehene Gruppe: AuDHS bei Frauen – warum die Diagnose so oft zu spät kommt

Sie haben Ihr ganzes Leben lang funktioniert, und trotzdem kostet Sie jeder Tag enorme Kraft? Sie galten als „sensibel", „verträumt" oder „zu emotional", aber nie als jemand mit einer neurodivergenten Neurobiologie? Dann gehören Sie möglicherweise zu den vielen Frauen, deren AuDHS erst im Erwachsenenalter erkannt wird. AuDHS bei Frauen, das gleichzeitige Vorliegen von Autismus und ADHS, ist eines der am stärksten unterdiagnostizierten Phänomene in der Psychiatrie. Nicht, weil Frauen seltener betroffen wären, sondern weil ihre Symptome anders aussehen als das, wonach gesucht wird.

🧠 Ein Hinweis zu unserem Design (neuroinklusives Lesen)

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·         TL;DR: Eine Zusammenfassung finden Sie direkt hierunter.

·         Scanbarkeit: Wichtige Begriffe sind fett gedruckt, damit Sie die Kernaussagen auf einen Blick erfassen.

·         Klarheit: Kurze Absätze, keine Textwüsten.

TL;DR (Das Wichtigste in Kürze):

·         AuDHS bei Frauen zeigt sich häufig nach innen: als Tagträumerei, soziale Erschöpfung, innere Unruhe und chronische Überforderung, statt als sichtbare Hyperaktivität oder offensichtliche soziale Auffälligkeit.

·         Mädchen mit AuDHS fallen selten auf, weil sie sich anpassen, statt zu stören. Sie tragen eine doppelte Maske, sowohl autistische als auch ADHS-typische Züge werden verborgen.

·         Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen wird häufig als Borderline-Persönlichkeitsstörung oder bipolare Störung fehldiagnostiziert.

·         Hormone beeinflussen AuDHS-Symptome direkt: Östrogen moduliert das Dopaminsystem und die sensorische Schwelle. Deshalb schwankt die gesamte Symptombelastung mit dem Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren.

·         Eine späte Diagnose ist kein Versagen, sie ist die Folge eines Systems, das AuDHS bei Frauen systematisch übersieht.

Warum wird AuDHS bei Frauen so häufig übersehen?

Wenn Experten an Autismus denken, haben sie meist ein bestimmtes Bild im Kopf, und wenn sie an ADHS denken, ein anderes. Beide Bilder sind männlich geprägt. Der autistische Prototyp: ein Junge, der sich für Fahrpläne interessiert und keinen Blickkontakt hält. Der ADHS-Prototyp: ein Junge, der nicht stillsitzen kann und den Unterricht stört. Frauen mit AuDHS passen in keines dieser Bilder, und fallen deshalb doppelt durch das diagnostische Raster.

Das Problem beginnt bei den Diagnosekriterien selbst. Sowohl die Autismus- als auch die ADHS-Forschung stützte sich jahrzehntelang auf überwiegend männliche Stichproben. Die Verhaltensmarker, die daraus abgeleitet wurden, sind keine geschlechtsneutralen Symptome. Sie bilden männlich kodierte Ausdrucksformen neurologischer Zustände ab, die sich bei Mädchen und Frauen grundlegend anders darstellen können.

Hinzu kommt eine Besonderheit bei AuDHS: Autismus und ADHS können sich gegenseitig maskieren. Die ADHS-bedingte Spontaneität und soziale Impulsivität kann den autistischen Eindruck abschwächen. Die Frau wirkt „gesellig", obwohl soziale Interaktion sie massiv erschöpft. Umgekehrt kann die autistische Strukturbedürftigkeit die ADHS-typische Desorganisation kompensieren: Die Frau wirkt „organisiert", obwohl sie abends erschöpft zusammenbricht. Bei Frauen, die zusätzlich gelernt haben, ihre Schwierigkeiten nach außen unsichtbar zu machen, wird diese doppelte Maskierung nahezu perfekt, und nahezu unsichtbar für Diagnostiker.

Das „brave" Kind: Wie Mädchen mit AuDHS durch jedes Raster fallen

Der sogenannte Gender Diagnostic Gap ist bei AuDHS noch ausgeprägter als bei den Einzeldiagnosen. Bei ADHS allein liegt das Geschlechterverhältnis in klinischen Stichproben bei etwa 3:1 bis 4:1 zugunsten von Jungen. Bei Autismus bei bis zu 4:1. Bei AuDHS potenziert sich dieser Effekt: Die Schnittmenge beider Diagnosen bei Frauen ist das am stärksten unterrepräsentierte Feld der gesamten neurodivergenten Diagnostik.

Mädchen mit AuDHS entwickeln früh eine doppelte Kompensationsstrategie. Der autistische Anteil lernt, soziale Skripte auswendig zu kennen, Mimik und Gestik anderer zu imitieren und Blickkontakt zu erzwingen. Der ADHS-Anteil lernt, die innere Unruhe zu unterdrücken, die Impulsivität zu zügeln und die Vergesslichkeit durch obsessives Listenschreiben zu kompensieren. Von außen sieht das Ergebnis aus wie ein „normales", vielleicht etwas stilles oder empfindliches Mädchen. Von innen fühlt es sich an wie ein Dauerjob ohne Pause.

Lehrer, die zentralen Gatekeeper für diagnostische Überweisungen, erkennen expansives Verhalten zuverlässig. Ein Kind, das den Unterricht stört, löst eine Reaktion des Systems aus. Ein Kind, das still kämpft, das sich unter dem Tisch die Nägel blutig knibbelt (Stimming), das in der Pause alleine dasteht, weil die Reize der Schulhof-Dynamik zu viel sind, das seine Hausaufgaben vergisst, aber niemanden stört. Das Kind wird als „schüchtern", „empfindlich" oder „verträumt" eingeordnet. Die Symptome von AuDHS sind da, aber sie passen nicht in das Raster, nach dem gesucht wird.

Wie zeigt sich AuDHS bei Frauen im Erwachsenenalter?

Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst mit 30, 40 oder 50 Jahren, oft nachdem sie jahrelang Symptome hatten, die sie sich selbst nicht erklären konnten und für die sie eine ganze Sammlung an Fehldiagnosen angehäuft haben. Die Präsentation von AuDHS bei erwachsenen Frauen unterscheidet sich deutlich von den klinischen Prototypen beider Einzeldiagnosen.

Der innere Widerspruch als Dauerbegleiter: Das Kernmerkmal von AuDHS, das Spannungsfeld zwischen dem autistischen Bedürfnis nach Routine und dem ADHS-getriebenen Verlangen nach Neuheit, nimmt bei Frauen eine spezifische Form an. Viele beschreiben das Gefühl, ständig zwischen zwei Polen hin- und hergerissen zu sein: den Wunsch, alles beim Alten zu lassen, und gleichzeitig die unerträgliche Langeweile der Wiederholung. Dieser Konflikt wird selten nach außen sichtbar. Er tobt im Inneren, und er zermürbt.

Kompensation als Überlebensstrategie: Erwachsene Frauen mit AuDHS entwickeln häufig hochkomplexe Systeme, um sowohl die autistischen als auch die ADHS-bedingten Schwierigkeiten zu verbergen. Farbkodierte Kalender für die exekutive Dysfunktion. Einstudierte Smalltalk-Skripte für die soziale Interaktion. Obsessive Routinen für die Morgenorganisation. Strategischer Rückzug nach sozialen Events, getarnt als „Introversion". Jedes dieser Systeme funktioniert, aber der Energieverbrauch ist enorm. Die Frau „schafft alles", dass sie dafür dreimal so viel Kraft aufwendet wie neurotypische Personen, ist für Außenstehende unsichtbar.

Chronische Scham und das Gefühl, grundlegend falsch zu sein: Frauen mit AuDHS berichten auffallend häufig von einem tiefsitzenden Gefühl der Unzulänglichkeit. Sie haben ihr ganzes Leben gehört, sie seien „zu viel" (zu emotional, zu intensiv, zu empfindlich) und gleichzeitig „zu wenig" (zu unorganisiert, zu vergesslich, zu langsam). Ohne die Erklärung einer AuDHS-Diagnose verinnerlichen sie diese widersprüchlichen Zuschreibungen. Das Resultat ist eine toxische Scham, die sich durch alle Lebensbereiche zieht.

Emotionale Dysregulation bei AuDHS-Frauen: Warum so oft Borderline oder bipolare Störung diagnostiziert wird

Eines der folgenreichsten diagnostischen Probleme bei AuDHS-Frauen ist die Verwechslung emotionaler Dysregulation mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder bipolarer Störung. Bei AuDHS ist emotionale Dysregulation keine Begleiterscheinung, sie ist ein zentrales Merkmal beider Bedingungen. ADHS beeinträchtigt die Fähigkeit, emotionale Reaktionen in ihrer Intensität zu modulieren. Autismus beeinträchtigt die Fähigkeit, Emotionen überhaupt zuzuordnen und zu verarbeiten (Alexithymie). Wenn beides zusammenkommt, entsteht ein Muster, das auf der Oberfläche einer Borderline-Störung täuschend ähnlich sieht.

AuDHS versus Borderline – wo liegen die Unterschiede? Bei BPS ist die emotionale Instabilität typischerweise an Beziehungsdynamiken und Verlassenheitsängste gekoppelt: Idealisierung und Entwertung, instabiles Selbstbild, Angst vor dem Verlassenwerden. Bei AuDHS hingegen sind die Auslöser spezifisch: sensorische Überflutung, Routinebrüche, exekutive Überforderung und soziale Erschöpfung. Eine unerwartete Planänderung löst einen Meltdown aus, nicht weil die Frau „überreagiert", sondern weil das autistische Nervensystem Vorhersagbarkeit braucht und das ADHS-Gehirn gleichzeitig nicht die Ressourcen hat, flexibel umzuplanen.

Auch die Verwechslung mit bipolarer Störung kommt vor: Die Phasen intensiver Produktivität und Euphorie (Hyperfokus bei ADHS) können als hypomanische Episoden fehlgedeutet werden. Die darauffolgenden Zusammenbrüche, oft autistischer Shutdown nach Reizüberflutung, werden als depressive Episoden interpretiert. Der entscheidende Unterschied: Bei bipolarer Störung dauern Episoden Tage bis Wochen und treten oft ohne externen Auslöser auf. Bei AuDHS sind die Wechsel schnell, situationsgebunden und direkt an Reizbelastung oder Energiehaushalt gekoppelt.

Die Folgen der Fehldiagnose sind gravierend: Mood Stabilizer oder atypische Antipsychotika adressieren weder das dopaminerge Defizit (ADHS) noch die sensorische Verarbeitungsproblematik (Autismus). Stimulanzien, die die ADHS-Komponente behandeln könnten, werden bei einer Borderline- oder Bipolar-Diagnose in der Regel nicht einmal in Betracht gezogen. Frauen mit unerkanntem AuDHS können so Jahre in Therapien verbringen, die an der eigentlichen Ursache vorbeigehen, oder die sogar schaden: DBT-Elemente wie „radikale Akzeptanz" können bei autistischen Frauen, die ohnehin ein Leben lang ihre Bedürfnisse unterdrückt haben, das Masking verstärken, statt es aufzulösen.

Wie beeinflussen Hormone die AuDHS-Symptome bei Frauen?

Ein Aspekt, der bei AuDHS-Frauen besonders drastische Auswirkungen hat, ist der Einfluss von Sexualhormonen auf die gesamte Symptombelastung, und zwar auf beide Komponenten gleichzeitig. Östrogen moduliert nicht nur die dopaminerge Neurotransmission (relevant für ADHS), sondern beeinflusst auch die serotonerge Aktivität und die sensorische Reizschwelle (relevant für Autismus). Das bedeutet: Hormonelle Schwankungen treffen bei AuDHS-Frauen gleich zwei Systeme.

Konkret: Östrogen erhöht die Dopamin-Synthese, verstärkt die Dopamin-Rezeptorbindung und hemmt den Dopamin-Abbau durch das Enzym COMT. Gleichzeitig moduliert es die sensorische Verarbeitung: Bei höherem Östrogenspiegel ist die Reizschwelle tendenziell höher, bei niedrigerem Östrogenspiegel sinkt sie.

Follikelphase (Tag 1–13): Östrogen steigt. Viele Frauen mit AuDHS berichten von besserer Konzentration, höherer Frustrationstoleranz und, ebenso wichtig, einer höheren sensorischen Belastbarkeit. Geräusche, Licht und soziale Reize sind leichter zu verarbeiten.

Ovulation (Tag 14): Östrogen-Peak. Klinisch berichten Betroffene von ihrer „besten Phase": höchste kognitive Leistung, stabilste Stimmung, größte Toleranz für sensorische und soziale Anforderungen.

Lutealphase (Tag 15–28): Östrogen fällt ab. Für Frauen mit AuDHS bedeutet das einen doppelten Einbruch: Die ADHS-Symptome verschärfen sich (Konzentration, Emotionsregulation, Impulsivität), und gleichzeitig sinkt die autistische Reizschwelle. Geräusche, die in der Follikelphase tolerabel waren, werden unerträglich. Kleidung, die vorher kein Problem war, wird zur Qual. Das Masking, das in der ersten Zyklushälfte noch gelang, bricht zusammen. Viele Frauen beschreiben die zweite Zyklushälfte als „eine andere Person sein".

Prämenstruelle Phase (Tag 25–28): Östrogen am Tiefpunkt. Die AuDHS-Symptomatik erreicht ihr Maximum. Hier überlagert sich die Verschlechterung häufig mit der Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), die bei Frauen mit ADHS signifikant häufiger auftritt. Bei gleichzeitigem Autismus kann die prämenstruelle Phase zu massiven Shutdowns, Meltdowns und dem völligen Zusammenbruch sozialer Funktionsfähigkeit führen.

AuDHS und Wechseljahre: Warum die Perimenopause oft ein diagnostischer Wendepunkt ist

Ein klinisch besonders relevantes Phänomen ist die Erstmanifestation oder dramatische Verschlechterung von AuDHS-Symptomen in der Perimenopause, typischerweise zwischen 40 und 55 Jahren. Der progressive Östrogenabfall führt zu einer dauerhaften Reduktion der dopaminergen Aktivität und einer dauerhaft gesenkten sensorischen Reizschwelle. Kompensationsmechanismen, die jahrzehntelang funktioniert haben, brechen zusammen, und zwar auf beiden Ebenen gleichzeitig.

Viele Frauen suchen in dieser Lebensphase erstmals psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe. Die Beschwerden werden häufig als „Wechseljahressymptome", Burnout oder Depression eingeordnet. Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, sensorische Überempfindlichkeit, emotionale Labilität, chronische Erschöpfung, sozialer Rückzug – all das passt in das Wechseljahre-Narrativ. Wenn niemand nach AuDHS fragt, wird niemand AuDHS finden.

Eine sorgfältige Befragung zur Vorgeschichte ist in diesen Fällen entscheidend: Gab es schon immer Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement? War Schule „machbar, aber unendlich anstrengend"? Gab es schon immer eine besondere sensorische Empfindlichkeit? Waren soziale Situationen schon immer erschöpfend, auch wenn es nach außen nicht so wirkte? Wenn ja, handelt es sich möglicherweise nicht um ein neues Problem, sondern um ein lebenslanges, das durch den Hormonabfall dekompensiert.

Für die Behandlung hat das direkte Konsequenzen: Die Abstimmung von Hormonersatztherapie und ADHS-Medikation kann bei AuDHS-Frauen in den Wechseljahren einen erheblichen Unterschied machen. Einige Kliniker arbeiten bereits mit zyklusadaptierter Stimulanzien-Dosierung in der Perimenopause, die Evidenzlage ist noch begrenzt, die klinische Erfahrung jedoch vielversprechend.

AuDHS bei Frauen erkennen: Worauf in der Diagnostik geachtet werden muss

Kein standardisiertes Screening-Instrument erfasst AuDHS als Gesamtbild. Autismus und ADHS werden separat diagnostiziert, und beide Verfahren haben eine eingeschränkte Sensitivität für weibliche Präsentationen. Der AQ (Autism Quotient) fragt nach Verhaltensweisen, die Frauen durch Masking verbergen. Die WURS (Wender Utah Rating Scale) fokussiert auf externalisierende ADHS-Symptome, die bei Frauen seltener die Hauptbeschwerde darstellen. Der ADOS-2 kann durch effektives Camouflaging zu falsch-negativen Ergebnissen führen.

Geschlechtersensible AuDHS-Diagnostik sollte folgende Aspekte berücksichtigen:

Zur Entwicklung muss gezielt nach „stillen" Schwierigkeiten gefragt werden. Nicht nur „Haben Sie den Unterricht gestört?", sondern: „Wie viel Energie hat Sie die Schule gekostet? Haben Sie Verhalten anderer Kinder kopiert, um sozial zu funktionieren? Hatten Sie intensive Interessen, die Sie vor anderen verborgen haben?"

Die Kompensationsstrategien sind ein zentraler diagnostischer Hinweis, und bei AuDHS-Frauen oft das sichtbare Symptom. Die entscheidende Frage ist nicht „Funktionieren Sie?", sondern „Was kostet es Sie, zu funktionieren?"

Die psychiatrische Vorgeschichte verdient besondere Aufmerksamkeit. Multiple Vordiagnosen, die klassische Kaskade aus Depression, Angststörung, Essstörung und eventuell Borderline, können ein Muster ergeben, das auf unerkanntes AuDHS hindeutet. Jede einzelne Diagnose mag für sich plausibel gewesen sein. Erst in der Zusammenschau wird die gemeinsame Grundlage sichtbar.

Die hormonelle Anamnese liefert bei Frauen oft den entscheidenden Hinweis: Gibt es zyklusabhängige Symptommuster? Wann traten Verschlechterungen erstmals auf, in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft, in der Perimenopause? Wenn die Symptomstärke mit dem Hormonspiegel korreliert, ist das ein starkes Indiz für eine dopaminerg-sensorische Grundlage.

Was hilft? Therapie und Alltagsstrategien speziell für Frauen mit AuDHS

Die Behandlung von AuDHS bei Frauen erfordert einen Ansatz, der beide Bedingungen gleichzeitig adressiert, und der die spezifische weibliche Erfahrung einbezieht.

Information als Fundament: Zu verstehen, dass der innere Widerspruch zwischen Routine und Neuheit, dass die Erschöpfung nach sozialen Situationen, dass die emotionale Intensität neurobiologische Ursachen haben, und keine Charakterschwächen sind, kann Jahrzehnte der Selbstvorwürfe auflösen. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst.

Medikamente unter Berücksichtigung des Zyklus: Stimulanzien adressieren die ADHS-Komponente und können indirekt die Gesamtbelastung reduzieren, weil verbesserte exekutive Funktionen auch das Management sensorischer Bedürfnisse erleichtern. Die Dosierung sollte dabei den hormonellen Zyklus berücksichtigen: Was in der Follikelphase die richtige Dosis ist, kann in der Lutealphase zu wenig sein. Ein offener Dialog mit Behandlern über zyklusabhängige Schwankungen ist entscheidend.

Psychotherapie: Anpassung statt Standardprotokoll. KVT kann wirksam sein, muss aber an die neurodivergente Kognition angepasst werden. Schematherapeutische Ansätze eignen sich besonders gut, um die Schemata zu bearbeiten, die durch jahrzehntelange Doppelkompensation bei AuDHS-Frauen entstehen, insbesondere das Unzulänglichkeitsschema und das Unterwerfungsschema. Achtsamkeitsbasierte Verfahren sollten mit Vorsicht eingesetzt werden: Interozeptive Aufmerksamkeit kann bei autistischen Frauen sensorisch überfluten, statt zu helfen.

Alltagsstrategien, die beide Pole bedienen: „Flexible Struktur", feste Rahmenbedingungen, innerhalb derer Variabilität möglich ist, adressiert den Kernkonflikt von AuDHS. Konkret bewährt sich für AuDHS-Frauen: sensorische Pausen bewusst einplanen (besonders in der Lutealphase), exekutive Funktionen externalisieren (visuelle Timer, Body-Doubling), Masking in sicheren Kontexten bewusst abbauen und, vielleicht am wichtigsten, den eigenen Energiehaushalt an den Zyklus anpassen, statt jeden Tag gleich viel von sich zu verlangen.

AuDHS bei Frauen in Beziehungen und Mutterschaft: Was sich verändert, wenn das System überlastet wird

Ein Aspekt, der in der klinischen Literatur unterrepräsentiert ist: die Auswirkungen von AuDHS auf Partnerschaften und die Elternrolle. Frauen mit AuDHS tragen in Beziehungen häufig eine dreifache Last: den Mental Load (Termine, Haushalt, soziale Organisation), die sensorische Verarbeitung der häuslichen Umgebung (Kindergeschrei, Unordnung, ständige Berührung) und die emotionale Arbeit in der Partnerschaft. Jede dieser Ebenen wäre für sich schon belastend, zusammen erzeugen sie ein Niveau chronischer Überforderung, das von außen nicht sichtbar ist.

Mutterschaft stellt für Frauen mit AuDHS eine besondere Herausforderung dar, weil sie Anforderungen an Exekutivfunktionen exponentiell erhöht und gleichzeitig die Ressourcen für Kompensation drastisch reduziert: Schlafmangel verschlechtert die ADHS-Symptome, die sensorische Dauerbelastung durch ein Kleinkind strapaziert das autistische Nervensystem, und die hormonelle Umstellung nach der Geburt destabilisiert das Dopaminsystem. Viele Frauen erhalten ihre AuDHS-Diagnose erst, wenn sie Mutter werden, weil die bisherigen Kompensationsstrategien unter dieser neuen Belastung zusammenbrechen und zum ersten Mal sichtbar wird, wie viel Kraft das bisherige „Funktionieren" tatsächlich gekostet hat.

Ohne das Wissen um die AuDHS-Diagnose werden die resultierenden Schwierigkeiten, Vergessen von Absprachen, emotionale Überreaktionen, Rückzugsbedürfnis, als mangelndes Interesse, Beziehungsunfähigkeit oder „Überforderung, die andere auch haben" interpretiert. Die Scham und die Selbstvorwürfe verstärken sich. Eine Diagnose verändert hier nicht die Realität, aber sie verändert das Selbstverständnis. Und das verändert alles.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Erkenntnisse zu AuDHS bei Frauen

·         AuDHS bei Frauen ist nicht seltener, es wird nur seltener erkannt. Die diagnostische Lücke ist bei der Doppeldiagnose noch größer als bei den Einzeldiagnosen ADHS oder Autismus.

·         Mädchen mit AuDHS tragen eine doppelte Maske: Sie kompensieren sowohl autistische als auch ADHS-typische Schwierigkeiten und fallen dadurch weder als „ADHS-Kind" noch als „autistisch" auf.

·         Emotionale Dysregulation ist bei AuDHS ein Kernmerkmal, wird bei Frauen aber häufig als Borderline oder bipolare Störung fehldiagnostiziert. Die Mechanismen sind fundamental verschieden: Bei AuDHS sind Auslöser sensorisch und situativ, bei BPS beziehungsdynamisch.

·         Hormone beeinflussen AuDHS doppelt: Östrogen moduliert sowohl das Dopaminsystem (ADHS) als auch die sensorische Schwelle (Autismus). Symptome schwanken mit dem Zyklus und können in der Perimenopause erstmals sichtbar werden.

·         Multiple Vordiagnosen, insbesondere die Kaskade Depression, Angststörung, Essstörung, Borderline, können auf unerkanntes AuDHS hindeuten.

·         Wirksame Therapie muss beide Bedingungen gleichzeitig adressieren, den Zyklus bei der Medikation berücksichtigen und der Frau helfen, das doppelte Masking abzubauen, statt es zu verstärken.

·         Es ist nie zu spät für eine Diagnose. Für viele Frauen mit AuDHS ist der Moment der Diagnose der Beginn einer Versöhnung mit sich selbst, und der Anfang eines Lebens, in dem sie nicht mehr gegen ihre eigene Neurologie kämpfen müssen.


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