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Testosteron-Stress

Testosteron – was Sie darüber wissen sollten

Testosteron baut Muskeln auf und macht männlicher – zumindest meistens. Es stimmt aber auch, dass Testosteron, insbesondere Testosteronmangel, oft missverstanden wird.

Testosteron und Stress

Eigentlich ist Testosteron bei Stress nicht wichtig. Für die Angriff-Flucht-Reaktion brauchen wir das Stresshormon Cortisol. Das haben zumindest einige Studien gezeigt. Aber hoher Stress – und hohes Cortisol – ist mit niedrigem Testosteron verbunden.

Es gibt aber nur sehr wenige Anhaltspunkte dafür, dass Stress Testosteron senkt und noch weniger Beweise dafür, dass eine Senkung von Stress das Testosteron erhöht. Abgesehen davon wissen wir, dass akuter und chronischer Stress Auswirkungen auf den Körper hat, angefangen von geringer Libido, Erschöpfung bis zur Depression.

Scheinbar sind das Stresshormon Cortisol und das Sexualhormon Testosteron Gegenspieler wirken. Daher rührte die Theorie,  dass Stress bei Männern zu Unfruchtbarkeit und Libidoverlust führen kann, indem er Testosteron hemmt. Hormonexperten sprechen von einer Cortisol-Testosteron-Hormonachse. Akuter Stress verursacht hohe Cortisolspiegel und einen signifikanten Abfall des Testosterons. Forscher glauben, diese hormonelle Reaktion den Körper darauf vorbereitet, Gefahren zu entkommen.

Hoher Stress bei Meerschweinchen führte zu hohem Cortisol, niedrigem Testosteron und erhöhtem Angstverhalten. Nach einer Testosteronersatztherapie verschwand interessanterweise das Angstverhalten.

Zu den Symptomen, die bei Stress und niedrigem Testosteron auftreten, gehören:

  • Sexuelles Desinteresse
  • Ermüdbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Mangel an Energie und Interessen
  • Reizbarkeit

Dabei ist es unmöglich zu sagen, ob die Beschwerden auf Stress oder einen niedrigen Testosteronspiegel zurückzuführen sind. Dazu kommt, dass der Testosteronspiegel eine große Bandbreite von normalen Werten aufweist und sich außerdem noch im Laufe des Tages ändert. Es ist eine verbreitete Meinung, dass diese häufigen Symptome durch einen niedrigen Testosteronspiegel verursacht sein sollen. Aber viele ältere Männer haben einen niedrigen Testosteronspiegel und keinerlei Symptome. Angesichts dieser unklaren Zusammenhänge, ist es sicher auf jeden Fall eine gute Idee, sich bei Stress nicht auch noch Sorgen um Testosteron zu machen.

Die folgenden Maßnahmen bauen – auch ohne Testosteron – Stress ab und verbessern die sexuelle Gesundheit:

  • Regelmäßiger Sport
  • Rauchverzicht
  • Vermeiden Sie zu viel Alkohol und Koffein.
  • Verwenden Sie keine Medikamente, um Stress abzubauen.
  • Essen Sie gesund.
  • Ausreichend Schlaf
  • Entspannungstechniken
  • Realistische Ziele
  • Bitten Sie um Hilfe, wenn Sie Unterstützung brauchen.

Wenn Sie übergewichtig sind und Erektionsstörungen, haben, ist Gewichtsreduktion eine gute Idee. Bei übergewichtigen Männern mit Typ-2-Diabetes, die acht Wochen lang Diät hielten, verbesserten sich Erektion und sexuelles Verlangen. In den acht Wochen sanken ihr Taillenumfang und ihr Gewicht um etwa fünf bis zehn Prozent.

Testosteron – Tag und Nacht

Testosteron folgt dem Schlaf-Wach-Rhythmus. Am frühen Morgen zwischen 7:00 und 10:00 Uhr ist er am höchsten und am Abend am niedrigsten. Die hohen Werte am frühen Morgen können zu einem besseren Training und etwas mehr Konzentration führen – auch mehr Tatendrang für Erledigungen

Testosteron – Körper und Seele

Während wir ausreichend Testosteron mit Muskelwachstum und Libido in Verbindung bringen, gibt es auch einen Zusammenhang zwischen niedrigem Testosteron und Depressionen und anderen affektiven Störungen und sogar frühem Gedächtnisverlust und Demenz, auch Brain Fog – Konzentrations- und Motivationsschwierigkeiten https://www.praxis-psychologie-berlin.de/tag/brain-fog/.

Testosterontherapie kann Männer mit Testosteronmangel psychisch stabiler machen. Sie haben mehr Antrieb und sind fokussierter und haben ein besseres Gedächtnis. Auch wenn die Wissenschaft dahinter noch auf wackligen Füßen steht, ist das eine häufige Erfahrung in der Praxis.

Testosteron – Arten

Männer bilden Testosteron und Frauen Östrogen, oder? Nicht ganz.

Es gibt eigentlich drei Arten von Testosteron. 

(1) freies Testosteron, das für die Zellen leicht verfügbar ist. Die anderen beiden Arten von Testosteron (und der größte Teil des Testosterons in Ihrem Blut) sind an Eiweiße gebunden, die Albumin bzw. Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) genannt werden. 

(2) Neben freiem Testosteron steht dem Körper also auch Albumin-gebundenes Testosteron zur Verfügung. Diese beiden Arten von Testosteron werden als bioverfügbares Testosteron bezeichnet- 

(3) SHBG-gebundenes Testosteron – ist durch die Bindung blockiert und für den Körper ohne Hormonwirkung. SHBG nimmt mit zunehmendem Alter der Männer zu, und damit das an SHBG gebundene Testosteron.Möglicherweise verlieren Männer im Alter also nur nur einen Teil Ihres Testosterons. Ein Bluttest kann helfen festzustellen, ob bestimmte Symptome tatsächlich durch einen niedrigen Testosteronspiegel verursacht werden.

Testosteron – Hormonersatztherapie

Beim Missbrauch von anabolen Steroiden spritzen sich Sportler mit normalen Testosteronspiegeln Steroide. Aber wenn Sie einen niedrigen Testosteronspiegel haben, kann eine Ersatztherapie Ihre Lebensqualität tatsächlich verbessern. Testosteronersatz bedeutet also, den Testosteronspiegel von einem niedrigen auf einen normalen Wert zu erhöhen, wie bei niedrigem Schilddrüsenhormon oder niedrigem Insulin.

Testosteron –Männersache

Nicht ganz. Es gibt Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Testosteronveränderungen und Stress bei Frauen. Individuelle Hormonspiegel unter Stress waren dabei Richtung und Ausmaß sehr unterschiedlich. Es gibt also keinen allgemeinen Anstieg des Testosteronspiegels unter Stress bei Frauen. 

Scheinbar gibt es also Wechselwirkungen von Stress und Testosteron bei beiden Geschlechtern und dazu noch Einflüsse der Geschlechterrolle der Männlichkeit. Scheinbar ist Testosteron auch ein biologischer Marker für Dominanzstreben, der Menschen gegen Stress schützt. Männer mit hohem Testosteron konnten jedenfalls besser mit den Auswirkungen von Bedrohungen ihrer Männlichkeit umgehen können. Sie bildeten in der Situation deutlich weniger Stresshormon Cortisol als Männer mit niedrigem Testosteron. Männer erleben vergleichsweise leicht eine Bedrohung ihrer Geschlechterrolle – durch verbale Übergriffe oder erlebte Schwächen und Unzulänglichkeiten. Männer mit einem niedrigen Maß an Dominanz und Statusstreben, scheinen ironischerweise besonders anfällig für negatives Feedback über ihre Männlichkeit. Vielleicht liegt das daran, dass Männer mit einem niedrigen Testosteron am häufigsten Feedback erhalten, das ihre Männlichkeit herausfordert. Dann erleben sie ihre Geschlechterrolle möglicherweise als Belastung. Also doch Stress mit dem Testosteron …

Quellen:

Caswell, T. A. et al.: Testosterone and Men’s Stress Responses to Gender Threats. Psychology of Men & Masculinity 15(1):4 DOI:10.1037/a0031394.

Iliade, Chris: Can Stress Affect Low Testosterone?

Some symptoms of low T are also symptoms of stress. Find out how stress and low T may be linked and what you can do about it. 

Radding, Ben: 4 Things Your Doctor Wants You To Know About Testosterone. From the best time of day to work out to what replacement therapy actually means. Esquire, Jul 7, 2021.

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