Selbstakzeptanz gelbe tulpe zwischen weißen tulpen

Uns selbst akzeptieren – Schlüssel zum Erfolg

„Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“ – Thich Nhat Hanh

Unser inneres Team

In unserem Inneren geht es manchmal zu wie in einer Teamsitzung. Der Macher steuert durch seine Präsentation, um die Zustimmung der Zuhörer und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit in seinem Projekt einzuwerben. Da gibt es den Finanzer, den nur Aufwendungen, ROI und Amortisationsfristen interessieren, den Personaler, der sich fragt, wie das Staffing aussehen soll. Da gibt es den IT-ler, der begeistert ist, aber den Datenschutz anmahnt. Vertrieb stimmt zu, und sieht ganz gute Chancen bei den Schlüsselkunden … Und dann gibt es es da noch den einen Zuhörer, der nur stumm den Kopf schüttelt und dem Macher um so unmissverständlicher klar macht: „Du bist nicht gut genug.“ 

Verhalten ist immer das Ergebnis dieser inneren Meetings. Mitglieder des inneren Teams sind innere Aspekte der gesamten Persönlichkeit. (Sie sind nicht mit Gefühlen oder Verhaltensweisen zu verwechseln.) Als Teamleiter bezeichnet Schulz von Thun, der Autor des Konzepts, das übergeordnete „Ich“, das entweder dem Dialog seiner Teammitglieder passiv folgt oder aber aktiv eingreift, in jedem Fall aber das letzte Wort hat.

Teammitglieder sind laut oder leise, melden sich schnell oder langsam, sind dominant im Außenkontakt oder zeigen sich nur nach innen, wo sie als Gedanke, Gefühl oder Körpersignal auftreten.  Dann gibt es noch Mitglieder, die nicht teilnehmen dürfen, und unter der Bühne miteinander kungeln. In den Meetings entsteht eine ähnliche Gruppendynamik wie im richtigen Leben. In ihrer Gesamtheit spiegeln die Teams die Lebenserfahrungen des Leiters wider, darunter die Meinung von Eltern, Freunden und Lebenspartnern oder die Werte von Gemeinschaften, denen sich der Teamleiter zugehörig fühlt.

Und manchmal kommen wir im Meeting zu keinem Ergebnis. Dann fühlen wir uns ratlos und sind empfänglich für das stumme Kopfschütteln des inneren Kritikers. Wir geraten in eine Falle von Vergleichen und Selbstmitleid: „Warum komme ich nicht schneller voran? Warum bin ich der einzige, der Schwierigkeiten hat?

Dann helfen vielleicht ein paar Tage Abstand. Die Rollen im Team werden neu verteilt, und doch noch eins von  den nicht eingeladenen Mitgliedern dazu geladen.

Manchmal brauchen wir auch lange,  nicht nur auf die nörgelnde, kritische innere Stimme in unserem Team zu hören, nicht unser rücksichtslosester Kritiker zu sein und mehr Wohlwollen für uns selbst zu entwickeln.

Im Idealfall können wir uns selbst mit der gleichen Art von Fürsorge, Unterstützung und Verständnis begegnen, die wir jedem zeigen würden, der uns am Herzen liegt. Andernfalls schimpfen wir uns aus, wenn wir – unvermeidliche – Fehler machen oder beschäftigen uns, aus lauter Vorsicht nur damit, Fehler und Unordnung zu vermeiden. Das schränkt unsere Entwicklung ein und bindet unsere Ressourcen.

Wenn wir uns mit Wohlwollen begegnen, werden wir uns für Fehler immer noch schämen oder schuldig fühlen. Aber wir können auch erkennen, dass wir genauso wie alle anderen auf diesem Planeten fehlerhaft und unvollkommen sind.

Uns selbst zu akzeptieren verbessert die Leistung

Selbstwertgefühl wird durch unser Denken über uns selber bestimmt. Stärken wir unseren Selbstwert, werden wir unabhängiger von der Meinung anderer – wir werden selbstbestimmter. Selbstwertgefühl erwächst aus Wohlwollen uns gegenüber und Vertrauen in unsere Fähigkeiten,  Bewusstsein des Anrechts darauf, nach eigenen Werten zu leben und gleichzeitig Hoffnung zu haben, auf Gelingen, auf ein glückliches und erfolgreiches Leben. Da unsere heutige Gegenwart so raschem Wandel unterworfen ist, ist es wichtig, sich und seinen Fähigkeiten zu vertrauen, um in der Komplexität des Lebens nicht unterzugehen.

Quellen des Wohlwollens uns selbst gegenüber

Wir schöpfen, nach Stavros Mentzos – er spricht von „Säulen“, unser Wohlwollen uns selbst gegenüber aus drei Quellen unserer frühen Kindheit:

Die erste Quelle ist die des Urvertrauens, welche darüber bestimmt, über welchen „…Fundus von selbstverständlich vorhandener Sicherheit…“ jemand verfügt. Reichlich sprudelt diese Quelle für diejenigen, die ausreichend Bestätigung und Sicherheit als Säuglinge erfahren haben, oder auch mit angeborener körperlicher und psychischer Robustheit reichlich beschenkt wurden.

Die zweite Quelle sind innere Leitbilder, die dritte verinnerlichte Normen und Werte, aus denen, gefördert durch angemessene Anerkennung, ein reifes Gewissen entsteht.

Wenn wir uns nur über Vergleiche und Wettbewerb mit anderen definieren und unsere Selbstakzeptanz an Erfolg in diesem Wettbewerb knüpfen, werden wir unsicher und abhängig, was uns letztlich hemmt.

Menschen , die sich selbst wohlwollend begegnen, haben die richtigen Mitglieder im inneren Team. Sie können offen über Erfolge sprechen und haben kein Problem damit, Komplimente sowohl anzunehmen als auch zu verteilen. Außerdem können sie anderen Menschen Zuneigung entgegen bringen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Ihnen fällt es leicht Kritik anzunehmen, Fehler zuzugeben und offen gegenüber neuen Dingen im Leben zu sein. Wohlwollen gegenüber sich selbst stärkt das Selbstwertgefühl und schützt vor Angst und Frustrationen.

Dabei geht es nicht um Eitelkeit oder Selbstbeweihräucherung. Im Gegenteil: ein wohlwollender Blick auf eigene Fehler, Misserfolge oder Mängel hilft uns, sie zu überwinden, weil wir sie objektiver sehen und besser verstehen.

Mit anderen Worten, wir hören besser auf, uns mit anderen zu vergleichen und konzentrieren uns besser auf unser inneres Team, um Erfolg zu haben.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 sind wir motivierter, wenn wir uns selbst bei Misserfolgen mit Wärme und Verständnis behandeln. Das liegt daran, dass Selbstakzeptanz unser biologisches Selbstberuhigungssystem aktiviert. Andere Studien haben gezeigt, dass wir, wenn wir in der Lage sind, unsere Fehler zu erkennen und zu verstehen, bei ihrer Überwindung mehr Belastbarkeit entwickeln, also besser mit Schwierigkeiten umgehen können.

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Bauen Sie ein starkes inneres Team auf

Wie oben gesagt, netter zu uns selbst zu sein, ist eine Einstellung, die auch die Menschen unserer Umgebung beeinflusst. Je wohlwollender wir uns selbst aufrichtig begegnen können , umso wahrscheinlicher ist es, dass wir unsere Mitmenschen ebenso behandeln.

Wenn wir innere Teams aufbauen können, die es uns erlauben, unsere Fehler in einem besseren Licht zu sehen, stärken wir unser Selbstvertrauen und inspirieren unsere Umgebung durch Empathie, Respekt und Verständnis. Ein stimmiges Team, in dem durchaus auch Fetzen fliegen dürfen, aber das sich zum Wohl des Ganzen ins Zeug legt, heißt nach außen hin ebenso, anzuerkennen, dass wir alle Menschen sind, und dass es in Ordnung ist, auf dem Weg zum Erfolg zu stolpern oder zu scheitern. Stellen Sie sich vor, Sie könnten nicht nur mit Zuversicht an Ihrem inneren Teammeeting teilnehmen, sondern auch mit dem Bewusstsein, dass Sie nicht auf alles eine Antworten haben müssen. Aber wie?

Steht ein Mensch vor einer schwierigen Entscheidung, führt er mehr oder weniger unbewusst eine innere Teamsitzung durch. Durcheinander, Widerspruch (z. B. ungutes Bauchgefühl gegen Rationalität) und die Dominanz der lauten, schnellen und beliebten Teammitglieder prägen oft diese Teamsitzungen. Wird das Durcheinander zu groß, müssen zunächst die Teammitglieder, die sich zu der Frage äußern wollen, identifiziert werden. Oft gelingt das erstaunlich gut, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, von den Teammitgliedern Namen, Aussehen und bevorzugtes Auftreten zu notieren. Anschließend sollte jedes Teammitglied das Recht bekommen, seine Botschaft, ohne Einwände der anderen Mitglieder, vorzubringen. Eine freie Diskussion gibt allen die Möglichkeit, gehörig aneinanderzugeraten. Der Teamleiter sollte dabei gut aufpassen, um am Ende die strittigen Positionen zusammenfassen zu können. Hierbei ist Führungstalent gefragt: Neutralität und Wertschätzung aller Meinungsbeiträge. Auf dieser Basis kann dann auch, wie in wirklichen Teams, ein Kompromiss erreicht werden.

Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile. Wenn man sich in seiner eigenen Pluralität wohlwollend annimmt, ist es nicht nötig, wichtige Bedürfnisse zu vernachlässigen, um schnell eine einheitliche Meinung zu erzwingen. Das Ergebnis führt automatisch zu höherer Selbstzufriedenheit – und schließlich hilft die Selbstklärung, späteres Unwohlsein in dieser Fragestellung schnell zu verstehen und damit umzugehen.

Übung macht dabei den Meister. Behalten Sie im Auge, wie oft Sie sich wegen eines kleinen Fehlers ausgeschimpft haben. Achten Sie darauf, wie Sie sich in der letzten Woche behandelt haben. Haben Sie sich selbst gegenüber wie ein fürsorglicher, unterstützender Freund verhalten?  Oder wie Ihr ärgster Kritiker?

Wenn Sie sich diese Fragen bewusst machen, erkennen Sie, wo etwas mehr Wohlwollen im Umgang mit sich selbst angebracht wäre.


Quellen:

  1. Aytekin Tank: Why Being Kind to Yourself Is Key to Entrepreneurial Success
  2. Stavros Mentzos: Lehrbuch der Psychodynamik: Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2013.
  3. Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3 – Das ‚innere Team‘ und situationsgerechte Kommunikation. Rowohlt, Reinbek, 1998.

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