Glücksspielsucht – Definition

= wiederholtes und anhaltendes Glücksspiel, obwohl sich negative finanzielle, soziale oder psychische Konsequenzen abzeichnen oder bereits vorliegen.
  • Die Gedanken kreisen beständig um Glücksspiel.
  • Die Kontrolle über Beginn, Ende und Ausmaß des Spielens ist eingeschränkt.

Die Betroffenen spielen häufig wiederholt in anhaltenden Phasen, so dass schließlich das Glücksspiel die Lebensführung des Betroffenen beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.

Sie setzen Beruf und Anstellung aufs Spiel, machen hohe Schulden, lügen oder handeln ungesetzlich, um an Geld zu kommen oder um die Bezahlung von Schulden zu umgehen.

Glücksspielsüchtige beschreiben einen intensiven, kaum kontrollierbaren Drang zum Glücksspiel.

Intensive Gedanken und lebhafte bildliche Vorstellungen umkreisen das Glücksspiel und seine Begleitumstände.

Die gedankliche Beschäftigung und die Drangzustände verstärken sich häufig in belastenden Lebenssituationen.

Glücksspielsucht: DSM-5

Die gültige Version des »Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen« (DSM-5, »Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders«) der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (American Psychiatric Association, 2013, 2015) definiert Störung durch Glücksspielen wie folgt: Dauerhaftes und häufig auftretendes problematisches Glücksspielen, was sich in mindestens vier der folgenden Merkmale innerhalb von zwölf Monaten ausdrückt (Kriterium A):

  1. Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen.
  2. Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken.
  3. Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben.
  4. Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspiele.
  5. Häufiges Glücksspiel in belasteten Gefühlszuständen.
  6. Rückkehr zum Glücksspiel am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen.
  7. Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen.
  8. Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens.
  9. Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere.

Ausschlusskriterium ist, dass das Glücksspielverhalten nicht besser durch das Vorliegen einer manischen Episode erklärt werden kann (Kriterium B) (deutsche Version des DSM-5: APA, 2015).

Glücksspielsuch: Spiel – Glück – Sucht

Spielen ist ein normales menschliches Verhalten. Das normale, unproblematische Spielen von Kindern wie von Erwachsenen erlaubt es uns, die Realität zu verlassen:

  • Was im Spiel geschieht, hat außerhalb des Spielens keine Folgen oder Auswirkungen.
  • Im Spiel können wir die eigenen Begrenzungen vergessen, wir sind »eins« mit dem Spiel.
  • Die Beherrschung der Regeln und der Gesetze des Spiels steigert unser Selbstwertgefühl.
  • Spielregeln schaffen Sicherheit und Eindeutigkeit. Wir können uns als Teil einer festen Ordnung fühlen.

Glücksspiele erlauben ebenso gut Abstand vom Alltag und das Eintauchen in eine Spielwelt. Beim Glücksspielen kommen aber ganz neue Eigenschaften hinzu, die insbesondere die Folgenfreiheit des Spielens für Lebensbereiche außerhalb des Spielgeschehens aufheben:

  • Beim Glücksspiel wird echtes Geld eingesetzt.
  • Das Glücksspielergebnis hängt ausschließlich oder in sehr hohem Maße vom Zufall ab.
  • Ein Gewinn ist in Aussicht gestellt, aber ungewiss.
  • Durch Verlust oder Gewinn von echtem Geld hat das Spielergebnis reale Konsequenzen über das Glücksspielgeschehen hinaus. Das Risiko eines realen Verlustes und die Chance auf einen realen Gewinn erzeugen eine spezifische Spannung, die sich ins Rauschhafte steigern kann.
  • Gesteigertes Aufgehen im Spiel, alles außerhalb des Glücksspiels wird ausgeblendet.
  • Ringen um Beherrschbarkeit des Spiels.

Der Glücksspieler lässt den Zufall über Gewinn oder Verlust, über Wohl oder Wehe entscheiden. Darin liegt der »Kick«, der eine enorme Bindung an das Spielen erzeugen kann und alles außerhalb des Spielgeschehens vergessen lässt. Gleichzeitig hält er an der Illusion fest, das Spielgeschehen beeinflussen und kontrollieren zu können. Er hofft, den Zufall überlisten zu können.

Wenn das Spielen außer Kontrolle gerät, wird es als »pathologisches Glücksspielen« oder »Glücksspielsucht« bezeichnet. Das Spielen ist dann oft ein Versuch, Problemen oder unangenehmen Gefühlen auszuweichen. Es kann sich immer mehr verselbstständigen und nimmt dann einen suchtähnlichen Charakter an:

  • Übermächtiger Wunsch nach Verlassen der Realität und Vergessen von Problemen
  • Gefühl von Macht und Kontrolle und die Illusion, das Spielgeschehen kontrollieren und beherrschen zu können
  • Unzutreffende Einschätzungen von Wahrscheinlichkeiten und Gewinnchancen
  • Trost im Glücksspielen suchen bei Selbstwertproblemen, Depressivität und Ängsten
  • Erfinden von Ausreden, um dem Glücksspiel nachgehen zu können
  • Einsatz von Geldmitteln, die eigentlich für andere Zwecke vorgesehen waren
  • Es entwickelt sich das Bedürfnis, beim Spiel verlorenes Geld durch erneutes Spielen wieder hereinholen zu wollen
  • Auftreten von Verlangen und entzugsähnlichen Erscheinungen: der Betreffende wird nervös, unruhig und gereizt bei der Aussicht, auf absehbare Zeit nicht spielen zu können.

Glücksspielsucht: Behandlung

Die Therapie von Glücksspielsucht beginnt damit, dass sich die Betroffene mit der Entwicklung des eigenen Glücksspielverhaltens auseinandersetzen und lernen, Alternativen zum Glücksspiel aufzubauen. Sie verdeutlicht die auslösenden Bedingungen des Spielverhaltens und klärt individuell, warum das Glücksspielen, trotz negativer Folgen, nicht aufgegeben wird. Außerdem gehört dazu die Entwicklung einer Strategie zum Umgang mit Geld und mit Risikosituationen für erneutes Glücksspielen. Zusätzlich können je nach Bedarf Sitzungen mit ergänzenden Themen hinzukommen.

Parallel zu einer Einzeltherapie sollte unbedingt in einer der störungsspezifischen Gruppe gearbeitet werden. Die Auseinandersetzung und der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen bietet die Möglichkeit, eigenes problematisches Verhalten im Umgang mit Glücksspielangeboten und in der Gestaltung persönlicher Beziehungen zu erkennen und zu hinterfragen. Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer ein persönliches Erklärungsmodell seines Problemverhaltens entwickeln und realistische Alternativen aufbauen kann. Jeder Teilnehmer soll so zum Experten seiner eigenen Glücksspielproblematik werden. So werden die Fähigkeiten der Teilnehmer gestärkt, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und gewünschte Verhaltensänderungen herbeizuführen.

Neue Verhaltensstrategien werden hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und Wirksamkeit überprüft. Die Übertragung des Erarbeiteten in den Alltag wird geplant und erprobt. Das hebt das Selbstwertgefühl und stärkt die Überzeugung, selbst etwas bewirken zu können.

Quelle:

Premper, Volker. Pathologisches Glücksspielen (German Edition). Beltz. Kindle-Version.

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